5 Jahre danach

Letzte Woche hatte ich meine 5-Jahres-Untersuchung. Ich wiederhole mich. Ich weiß. Aber: Es war die beste Entscheidung meines Lebens! Die Knieprothesen-OP ist nun 5 Jahre her, und es geht mir blendend.

Noch heute ist jede Treppe, die ich gehe, ein Vergnügen, weil ich weiß, wie ich früher Stiegen steigen musste. Ich kann Stiegen LAUFEN! Rauf und runter! Ich fahre endlose Kilometer Rad. Ich mache kleine Wandertouren von bis zu 4 Stunden, sowohl im Sommer mit Bergschuhen als auch im Winter mit Schneeschuhen. Ich gehe Langlaufen. Ich kann von Stühlen aufstehen, ohne furchtbare Geräusche von mir geben zu müssen, die die Mühseligkeit dieses Unterfangens unterstrichen haben. Weil ich aufstehen kann, ohne Schmerzen zu haben und ohne das Gefühl zu haben, die Knie und Glieder müssen sich an das Stehen erst gewöhnen, bevor ich überhaupt den ersten Schritt setzen kann!

Diese Knieprothesen haben mir eine unglaubliche Lebensqualität zurück gegeben. Vielen vielen Dank an wen auch immer, dass es solche Möglichkeiten überhaupt gibt!

Was dazu zu sagen wäre, auch wenn ich mich ebenso damit wiederhole: Von nix kommt nix. Die Knie verlangen nach Bewegung, nach Muskelaufbau. Wenn ich zuwenig mache, bekomme ich Schmerzen, und merke, dass ich nicht sicher unterwegs bin, weil der Muskel die Prothesen nicht ordentlich umspannt. Das ist kein erstrebenswertes Gefühl. Daher fahre ich sehr viel Rad, auch auf Berge, damit der Muskel sich ordentlich bildet und erhalten bleibt.

Da ich nun mal etwas zuviel Gewicht habe, ist es umso wichtiger, den Muskel als Unterstützung zu haben. Die anderen positiven Nebeneffekte (letztens hat ein Arzt mein Herz abgehört und mich gefragt, ob ich viel Sport betreibe, da man das hört!!!) tragen dazu bei, dass ich den Sport auch „gerne“ mache. Nicht immer, aber immer öfter. Beim Abnehmen hilft er mir übrigens nicht, der Sport, weil mein Grundumsatz sich entschieden hat, nie mehr vernünftig zu arbeiten. (Selber schuld, hab ich mir durch die vielen Diäten in frühen Jahren zerstört. Der mag halt nicht mehr). Dafür verwundere ich immer wieder Menschen, wenn ich sie am Rad „verblase“. (Nein, ich fahre nicht mit Motor. Noch nicht!)

Fazit: Die Knieprothesen zwingen mich quasi zum Sport, den ich nie mehr machen hätte können, hätte ich keine Knieprothesen. So beisst sich die Katz in den Schwanz, die Prothesen verhelfen mir zu einer gesünderen Lebensweise und zu unglaublich viel Dankbarkeit und Demut, was wiederum mein Gemüt ausgesprochen positiv beeinflusst.

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2 Jahre danach

Eingangs möchte ich festhalten, dass ich rundum voll zufrieden und glücklich mit meinen beiden Knieprothesen bin. Es hätte mir nichts besseres passieren können, ich kann wieder (fast) alles machen, wo ich vor der Operation gewaltig eingeschränkt war.

Status quo: Die Knie gehören inzwischen ganz zu mir. Ich spüre nur noch sehr selten, dass es doch ein Fremdkörper ist, den ich da in mir habe. Manchmal habe ich leichte Schwellungen im rechten Knie – ein Ballongefühl –, das vorrangig bei Wetterwechsel auftritt. Ich habe absolut keine Probleme mehr beim Aufstehen, wenn ich länger gesessen bin. Außer, ich habe vorher viel Sport getrieben – aber das hat dann eher mit einer Muskelermüdung denn mit den Knien zu tun.

Im Juni des heurigen Jahres, also eineinhalb Jahre nach der OP gab es nochmal so einen Besserungsschub. Ich dachte zuvor ja, bereits das Optimum erreicht zu haben, aber irgendwie war es das wohl doch noch nicht ganz, sondern da hat sich nochmal was getan. Dazu muss ich bemerken, dass wir in dieser Zeit sehr sehr sehr sehr viel mit dem Rad unterwegs waren und recht anstrengende Touren gemacht haben. Außerdem fahre ich nach Möglichkeit (Wetterverhältnisse) ja auch mit dem Rad zur Firma, was dann auch 30 km pro Tag macht. Und eines Tages, ohne dass ich den Prozess davor bemerkt hätte, stellte ich fest, dass meine Knie jetzt nochmal um einen Tick besser geworden sind. Die stechenden Schmerzen waren komplett weg, meine Gehgeschwindigkeit hat sich wieder enorm erhöht, ich kann wieder Walkingrunden von 3 Stunden ohne gröbere Probleme bewältigen, kleinere Bergwanderungen in eben diesem Ausmaß von 3-4 Stunden sind ebenso kein Thema, auch bergab gehen funktioniert besser (wenn auch nicht gut, aber da haben ja sogar gesunde Menschen echte Probleme).

Seit etwa 1 Monat bin ich urlaubsbedingt und danach erkältungsbedingt sportlich etwas inaktiv. Daher verspüre ich jetzt wieder eine ganz minimale Verschlechterung meines Kniezustandes. Aber ich weiß ja, was ich dagegen tun kann, und muss jetzt nur noch gesund werden…

Spannend war, das erste Mal mit meinen Knieprothesen zu fliegen. Ich wachle, wenn ich durch die Metallsensoren marschiere, schon von weitem mit meinem Prothesenpass. Beim Hinflug wurde ich daraufhin peinlichst genau untersucht und abgegriffen. Beim Rückflug schaut mich der Beamte voller Entsetzen an, als die Alarmleuchten los gingen, sieht mich mit dem Pass wacheln, will eine Kollegin herbeirufen, findet grad keine, und winkt mich mit resignierender Miene durch. War schon lustig.

Ich kann nur immer wiederholen, dass es die beste Entscheidung für mich war, die Prothesen machen zu lassen, und es war die beste Entscheidung, mir dafür einen Arzt meines Vertrauens auszusuchen. Es war die beste Entscheidung, mich sehr gut darauf vorzubereiten, es war die beste Entscheidung, immer positiv und gut drauf zu bleiben. Es war die beste Entscheidung, die Reha voll zu nützen, und es war die beste Entscheidung, beim Aufbau der Muskulatur nicht locker zu lassen. Es wurde alles gut, und ich genieße wieder eine Lebensqualität, die 2 Jahre vor der Operation, bedingt durch die Bewegungsbeschränktheit, nicht mehr möglich war.

1 1/2 Jahre danach

Wie geht es den Knien?

Also, grundsätzlich geht es ihnen gut, den Knien.

Im Februar, in der einen Woche Urlaub, die wir uns gönnten, war Schneeschuhwandern
(2 h, man soll ja nichts übertreiben), Langlaufen (Das Wort „Lang“ kann bei meiner Technik durch das Wort „Kurz“ ersetzt werden, das Wort „laufen“ ist mangels Kondition in „gehen“ umzuwandeln), Rodeln, und stundenlanges Spazieren gehen (in flotterem Tempo) hat so gut wie gar keine Probleme gemacht.

Die Woche danach hat das Wetter umgeschlagen. Und auch meine Knie. Ich spürte vor allem den Ansatz der Prothese am Schienbein (zumindest bilde ich mir ein, dass es das sein muss), und nahm dies in Ruhestellung als dumpfen Schmerz war, der stechend wurde, sobald ich ging. Und das rechte Knie beliebte zu schwellen.

Grundsätzlich liegt das Geheimnis in der Bewegung. Je mehr ich mich bewege, desto besser geht es mir mit den Knien. Je weniger ich mich bewege, desto mehr fangen sie an zu schmerzen. Nun ist es aber so, dass die äußeren Umstände manchmal gegen mich handeln, und ich für Bewegung nicht soviel Muße und Zeit (die Reihenfolge der beiden Worte ist bewusst gewählt) aufbringen kann. Die Rechnung dafür bekomme ich postwendend präsentiert. Gehen kann ich dann nur langsam, und ein ständiger, dumpfer Schmerz am Ansatz der Prothese macht sich bemerkbar. Wenn ich dann wieder sportlich „in die Gänge“ komme, verschwindet dieser Schmerz wieder, und ich kann (was ich seit Jahren nicht mehr konnte) Stiegen runter und rauf(!)laufen(!).

So bleibt zu sagen, dass die neuen Knie ein voller Erfolg für mich sind, solange ich in Bewegung bleibe!

1 Jahr danach

So, nun feiern meine Knieprothesen also 1. Geburtstag. Irgendwie schon lustig, der Körper ist 42, die Knie sind 1 Jahr alt.

Im Oktober habe ich eine kleine Bergwanderung im alpinen Gelände gemacht (eineinhalb Stunden bergauf, selbiges wieder bergab, steiniges Gelände) und sie recht gut überstanden – unter Zuhilfenahme von Schmerzmittelchen. Den kleinen Tribut werde ich zahlen müssen, das ist halt mal so.

Im November hatte ich zwischendurch immer mal wieder sehr starke Schmerzen, obwohl ich keine Anstrengungen hatte. Wohl möchte ich auch zugeben, dass ich im November auch sportlich extrem untätig war (irgendwann ist einfach mal die Faulheit wieder da…). Ich führe die starken Schmerzen, die sich punktuell bemerkbar machten, aber auch auf das nasskalte Wetter zurück. Als dann endlich der erste Schnee fiel, war es auch mit den Schmerzen wieder vorbei.

Schwimmen kann ich derzeit nicht so gut. Das wird aber wohl eine reine Übungssache werden, dieser Bewegung (gleichzeitiges Schlagen mit den Beinen wie bei einer Heckflosse, das mach ich schon seit Jahren so, weil die Froschbewegung mir immer schon Knieprobleme bereitete) wieder Herr zu werden.

Ganz schmerzfrei bin ich allerdings fast nie. Meist verspüre ich einen leichten Schmerz unter dem linken Knie, der mich aber derzeit nicht wirklich behindert, außer, meine Märsche dauern länger als 45 Minuten.

Mein Gewicht macht nach wie vor Probleme. Die Tendenz zeigt zwar leicht nach unten, aber dennoch bin ich auf einem Höchststand, der unbefriedigend ist. Da muss ich einfach mehr Geduld aufbringen. Das wird schon. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen ;-).

Alles Statische, also nur Gehen, nur Stehen, nur Sitzen, nur Liegen, tut meinen Knien nicht gut. Die Abwechslung in all diesen Bewegungen ist enorm wichtig. Ich habe auch nach wie vor das Gefühl, dass beide Knie innerlich Ergüsse drin haben. Die werden mir wohl auch bleiben, damit hatte ich vor der OP schon einige Probleme.

Die immensen Wassereinlagerungen haben sich jetzt auch nur verbessert, weil es kühler geworden ist. Ich schätze, das Leiden wird nächstes Frühjahr wieder von neuem beginnen.

Ich möchte diesen Winter noch Schneeschuhwandern gehen, eventuell, wenn ich es mir zutraue, ein paar Schwünge mit den Skiern in den Schnee setzen – dafür müssen aber die Bedingungen perfekt sein, das weiss ich noch nicht, ob ich mich wirklich traue.

 

Die ärztliche Jahres-Kontrolle hatte ich noch nicht. Ich habe mir noch keinen Termin gemacht, das muss ich noch nachholen. Da es mir aber sehr gut geht, gehe ich davon aus, dass alles in Ordnung sein wird. Zu dem leichten Schmerz im linken Knie werde ich den Onkel Doktor noch befragen…

 

Alles in allem habe ich eine wahnsinnige Verbesserung zu meiner Situation vor der Operation, und das war Ziel und Zweck der Sache. Somit bin ich mit der Operation, mit dem Heilungsverlauf und mit dem Ergebnis sehr sehr zufrieden. Ich spreche von „Ergebnis“, weil man sagt, dass es ein Jahr dauert, bis alles richtig eingewachsen ist und sich eingelaufen hat. Wenn es wieder etwas berichtenswertes von meinen Knien gibt, werde ich es euch wissen lassen.

9 Monate danach

9 Monate sind nun vergangen, seit ich beidseits Knieprothesen eingesetzt bekam. Pauschal kann ich feststellen, dass meine Lebensqualität wesentlich höher ist als in dem Jahr vor der Operation. Das bedeutet für mich, dass die Operation absolut notwendig, sinnvoll, und ein voller Erfolg war.

Ich leide allerdings wahnsinnig unter meiner Gewichtszunahme, die ich mir leider nicht erklären kann, denn soviel fresse ich nicht, dass 13 kg Zunahme innerhalb eines Jahres bzw. 7 kg innerhalb des letzten halben Jahres gerechtfertigt wären. Ganz im Gegenteil. Ich führe das auch zum Teil auf die Operation, die Schmerzmittel, und sonstige Dinge zurück, die meinen Körper in Ausnahmezustand versetzt haben, wovon er sich offenbar nur schwer wieder erholt. Ich arbeite hart daran, dieses Gewicht wieder los zu werden, denn jedes einzelne Kilo drückt auf die Kniegelenke, und ich für mich möchte alles, wirklich alles dafür tun, dass diese Prothesen so lange wie nur irgendmöglich halten. Ich möchte mir nicht den Vorwurf machen müssen, schwer übergewichtig durch die Gegend gelatscht zu sein, nichts dagegen unternommen zu haben, und deshalb ist der Abrieb des Kunststoffs innen drin schneller passiert als bei nicht übergewichtigen Menschen. (Der Kunststoff befindet sich quasi zwischen Unter- und Oberschenkel als Puffer. Da gibt es im Laufe der Zeit einen Abrieb, der sich im Gewebe festsetzt, das Gewebe erkennt diesen Abrieb als körperfremd und möchte ihn loswerden, reagiert entsprechend mit (schmerzhaften) Entzündungen, die auf Dauer die Prothese locker werden lassen.)

Fangen wir mal mit den Dingen an, wo ich mir noch Besserung erwarte:

Ich kann nicht lange Stehen. Das schränkt mich einerseits ein für etwaige Konzertbesuche, andererseits ist der Plausch mit der Nachbarin im Stiegenhaus begrenzt ;-). Überhaupt, länger in einer starren Position zu sein (Stehen, Sitzen, Liegen) tut mir im Allgemeinen nicht gut. Aus dieser länger eingenommenen Position dann herauszukommen ist auch immer recht eigenartig, einerseits zieht sich dann der Oberschenkelmuskel total zusammen, andererseits sind die ersten Bewegungen dann ausgesprochen unrund und es dauert wieder ein Weilchen, bis ich mich normal bewegen kann.

Knien ist auch so eine Sache, die unangenehm ist. Ich kann den Schmerz, den ich dabei (noch) empfinde, kaum beschreiben, weil er gänzlich neu ist und so anders als alle anderen Schmerzempfindungen, die ich bisher in meinem Leben hatte. Vielleicht kann ich es so beschreiben, als ob man auf einer Vierkant-Eisenstange knien würde. Was ganz gut funktioniert, ist das Knien auf einem dicken Polster (Couchpolster). Nun, ich knie ohnehin nicht sehr gerne, der Verlust wäre verkraftbar. Wenn da nicht eine Kleinigkeit wäre. Nämlich die, dass ich in den letzten Monaten wohl doch eine Schonhaltung eingenommen habe, die meinen Bandscheibenvorfall zwischen L5 und S1 wieder spürbar macht. Um dagegen angehen zu können, muss ich ein paar Übungen machen zur Festigung der Kreuz- und Bauchmuskulatur. Eine davon, die beste, geht vom Vierfüsslerstand aus. Und der lässt sich jetzt nunmal nicht ohne knien bewerkstelligen. Aber, wie beschrieben, mit dickem Polster geht es.

Die Beugung im linken Knie habe ich leider nicht hingebracht. Das Erfolgserlebnis, das ich mit dem rechten Knie in Sachen Beugung hatte, konnte ich leider nicht nach links transferieren. Ich lebe damit. Und hoffe, dass es vielleicht doch noch irgendwann irgendwie dazu kommt, dass sich diese Spannung oder Verklebung oder was auch immer es sein mag, da drinnen, löst.

Beim rechten Knie habe ich ein großflächiges Taubheitsgefühl rund um die Narbe. Ich glaube aber, dass das Gefühl in dieser Region zurückkehren wird, sukzessive. Allerdings wird das dauern, und zwar eine gefühlte Ewigkeit…

Ich kann seit der Operation nachts nicht mehr durchschlafen. Manchmal werde ich zweimal wach, manchmal auch fünfmal pro Nacht. Das ist ziemlich lästig. Aber da hoffe ich ebenfalls noch auf Besserung.

Ich habe abends oft ein Spannungsgefühl in der Narbe. Ich fange mir dann meine fetteste Creme oder Öl heraus und massiere. Das hilft.

Meine Knie sind sehr viel Arbeit. Wehe, ich mache mal 3 Tage hintereinander nichts (kein Radfahren, keine Kniebeugen). Sofort habe ich das Gefühl, dass alles locker ist, da innen drin, und ich bekomme Schmerzen beim Gehen, das Stiegensteigen fällt mir wieder schwerer… Meinem Empfinden nach wird das so bleiben. Das bedeutet, ich muss konsequent bei meinen Muskeln rund ums Knie bleiben, ich muss konsequent mit denen arbeiten. Konsequenz ist nicht meine größte Stärke…

Ich bin tageweise noch immer sehr geschwollen. Und ich habe Unmengen Wasseransammlungen in den Beinen. Ich meine, das wäre vor der Operation nicht so schlimm gewesen.

Und nun zu den Highlights meiner neuen Prothesen: Ich bin sowas von zufrieden! Aber sowas von! Und überglücklich!

Anfang August bin ich an 2 Tagen hintereinander einmal 111 km und einmal 55 km geradelt, tags darauf habe ich eine eineinhalbstündige Almwanderung unternommen, den Weg bin ich auch wieder bergab gegangen, und die Knie haben super gehalten. Solche Leistungen sind zwar tagesverfassungsabhängig, waren aber vor der OP überhaupt nicht mehr möglich.

Mein Gangbild ist wieder so rund geworden, dass ich eine volle Kaffeetasse ohne Schütten zu meinem Schreibtisch tragen kann.

Ich bin weitgehend schmerzfrei, bis auf geringe Schmerzen, wenn ich es mit meinen Aktivitäten übertrieben habe.

Wer nicht weiss, dass ich knieoperiert bin, sieht es meinem Gang kaum an.

Zu den kolportierten 12 Monaten bis zum kompletten Einwachsen der Gelenke habe ich noch 3 Monate. Ich erwarte mir da noch ein wenig Besserung in oben genannten Schwachstellen. Sollte diese Besserung aber nicht eintreten, kann ich ohne weiteres sehr gut auch mit dem jetzigen Ergebnis leben.

Sollte dazwischen nicht ein berichtenswerter totaler Glücksfall oder eine mega Katastrophe über meine Knie hereinbrechen, gibt es den nächsten Bericht, wenn das Jahr voll ist, also Anfang Dezember.

09.07.2013 – 7 Monate danach

Meine neuen Knie sind jetzt 7 Monate alt. Letztens traf ich mich mit meiner Freundin, die mich einige Male auch mit Shiatsu behandelt hat. Sie ging vor unserem Treffen ein Weilchen unbemerkt hinter mir her und hat mir danach gesagt, dass mein Gang schon recht gut aussieht, und die Knie schon recht „integriert“ sind. Ein Zauberwort: Integration – auch wenn es hier um Knie geht! Da ist was sehr stimmiges dahinter.

Radfahren ist nach wie vor die beste Möglichkeit, etwas zu tun, ohne meine Knie vollends in Rage zu versetzten. Das trifft sich recht gut, denn das tu ich auch gerne, und konditionell bin ich auch wieder fit.

Walken kann ich inzwischen an 2 hintereinanderfolgenden Tagen für jeweils 2 Stunden. Danach geht aber erst mal garnix mehr und ich benötige dann Schmerzmittel. Mit denen muss ich auch viel Geduld haben, denn die Diclofenac wirken erst nach vielen Stunden so richtig gut, und die Tramabene Tropferl, die ich bis vor einiger Zeit als Nothelferlein noch genommen habe, mag ich nicht mehr nehmen, weil dann mein Kreislauf immer verrückt spielt – unangenehm. Aber inzwischen weiss ich das ja alles und kann mich danach richten.

Bis vor kurzem hatte ich noch Stellen, an denen immer mal wieder ein Brennschmerz beim Gehen oder Stiegen steigen auftrat. Mein Masseur hat eine neue Methode ausprobiert mittels Stimmgabel einer bestimmten Tonart. Diese angeschlagen auf den Schmerzpunkt einige Male draufgesetzt – ich schwöre: Schmerz weg! (Kaum zu glauben, gell? Ich würd’s auch nicht glauben…). Dazu sei zu sagen, dass ich dann und wann, speziell beim Stiegen steigen, schon noch Beeinträchtigungen verspüre. Ein leichter Schmerz unter der rechten Kniescheibe ist nach wie vor vorhanden, aber nichts, was mich grob aufregen würde. Direkt auf dem rechten Knie habe ich kreisrunde Erhebung, sieht für mich aus, wie eine partielle Schwellung. Die wird nicht größer und nicht kleiner. Genau dort bin ich auch noch relativ gefühllos auf der Haut.

Können Sie sich, lieber Leser, noch an meine Beugung erinnern?? Jaaaaahaaaa! Mein Reizwort! Vor etwa einem Monat sind wir im Urlaub an mehreren Tagen hintereinander einige Kilometer geradelt. Damit dürfte ich mich am 4. Tag ziemlich überfordert haben, denn ich hab beim Heimfahren geheult, weil ich das Gefühl hatte, dass ich aufgrund der Schmerzen nie mehr nach Hause kommen werde. Natürlich habe ich es dennoch geschafft, allerdings hatte ich große Schmerzen im rechten Knie. Ich hab dann einfach mal für ein paar Tage Ruhe gegeben und wieder Tabletten genommen. Eine Freundin von mir erzählte mir, immer wenn sie nach ihrer KreuzOP durch Überbeanspruchung starke Schmerzen hatte, ist danach was besser geworden. Was soll ich sagen: Bei mir war es genauso. Die Blockade, die die Kapsel im rechten Knie ausgelöst hat, ist weg, und ich kann wieder schmerzfrei beugen wie vor der OP. Die Entzündung ist bald abgeklungen und so leben mein rechtes Knie und ich nun in vollkommener Harmonie. Seither versuche ich, das auch beim linken Knie auszulösen – bis jetzt will es mir nicht gelingen. Geduld war noch nie meine Stärke.

Sollte Ihnen also jemand erzählen, dass die Beugung, die Sie ein paar Wochen nach der OP haben, das Maximum ist, was Sie erreichen werden, lachen Sie ihn mal kräftig aus! Alles ist möglich. Es muss nicht, aber es kann, wie man sieht.

Langsam gewöhne ich mir auch ab, dass ich in Trippelschritte verfalle, wenn es auch nur leicht bergab geht. Reine Kopfsache! Wie immer. Was ich mich noch nicht trauen würde, ist, einen Berg zu erklimmen, oder einen Hügel bergab zu gehen. Da hab ich noch ziemliche Schiss. Ich bin mir sicher, dass das bald auch funktionieren wird, und bin guter Dinge, dass ich im Herbst vielleicht eine kleine „Hügeltour“ machen kann.

Ich bin nach wie vor total positiv gestimmt, es geht immer noch bergauf, es treten immer noch Besserungen ein. Man muss halt auch die ganz kleinen Verbesserungen sehen, und darf nicht immer nur auf den großen Tusch hoffen. Die Ärzte sprachen von einem Jahr. Ein Jahr ist ein Jahr ist ein Jahr und bleibt ein Jahr. Und ein Jahr dauert halt eben! Ich bin höchst zufrieden mit der Entwicklung bisher, und wenn es so weiter geht, bin ich in wenigen Monaten wirklich fitter als Jahre vor der OP, und das ist als großes Geschenk zu sehen.

06.05.2013 – 5 Monate danach

Es sind jetzt 5 Monate seit der Operation, Zeit für eine Bestandsaufnahme:

Spazieren/Walken: 2 Stunden sind drin. Geradeaus und evt. noch mit Walkingstöcken geht das schon ganz gut, wenn auch noch nicht ganz so schnell wie früher. Bergauf funktioniert auch schon halbwegs, mit bergab hab ich noch so meine Probleme, da falle ich ganz schnell in Trippelschritte, weil ich dem System noch nicht ganz traue.

Radfahren: 50 km Touren sind kniemäßig locker schon wieder drin. Radfahren ist überhaupt toll, nur wenig Schmerzen, auch beim Bergauffahren. Die Kondi hinkt leider noch hinterher.

Medikamente: Eigentlich nur noch nach ordentlicher Anstrengung. Eigenartiger Weise hat sich da fast etwas wie ein Rhythmus eingespielt – so alle 3 – 5 Tage brauch ich Schmerzmittelchen.

Ich habe noch nicht herausgefunden, ob ich tatsächlich wetterfühlig geworden bin, oder ob es Zufall ist, dass die Tage, wo die Knie am meisten weh tun, auch die Tage sind, wo das Wetter schlecht ist. Ich will mich auch garnicht allzuviel damit auseinander setzen, denn dem Wetter ist man so ausgeliefert. Da glaube ich lieber an Zufall.

Es geht mir also im Großen und Ganzen recht gut. Ich kann schon wieder relativ viel machen, und habe das gute Gefühl, dass in ein paar Monaten die Operation, die neuen Knie und die Rekonvaleszenz aus meinem Kopf verschwunden sein werden und alles „wie geschmiert läuft“.

03.04.13 -4 Monate danach

Da hab ich wohl etwas zu laut gejubelt und geschrieen und gejohlt!

Mein erster Versuch, frei von Schmerzmitteln zu werden, scheiterte vor etwa 8 Tagen. Allerdings legte mir der Arzt 3 Tage später dringend ans Herz, keine Tabletten mehr zu nehmen. Ich weiß natürlich, dass mein Magen, meine Leber, meine Nieren und was weiß ich was noch alles unter den Tabletten leiden. Daher ist mir ja auch nix lieber, als schmerzmittelfrei zu sein. Daher Versuch Nr. 2 ab Mittwoch und über Ostern, also über knapp 1 Woche.

Es war die Hölle. Jeden Tag steigerten sich die Schmerzen um ein klein wenig auf der Skala von 1-10, um am Ostermontag dann bei etwa 7,5 angekommen zu sein.

Mit meinen Nerven war ich sowieso schon komplett am Ende, die Wetterkapriolen (Schnee, Kälte, Wetterfühligkeit) machten es auch nicht besser, und so heulte ich mich durch das Osterwochenende.

Gestern nacht dann war mein Peak erreicht, an Schlaf war bereits die sechste Nacht nicht zu denken, da warf ich wieder meine Mittelchen ein (bestehend aus 1 Diclophenac und, da akut, 15 Tropfen Tramabene).

Heute fühle ich mich um Häuser besser als die letzten paar Tage und habe beschlossen, dass mein nächster Versuch erst gestartet wird, wenn das Wetter sich der Jahreszeit angepasst hat.

Schockierend war, dass die Schmerzen kaum Bewegung möglich gemacht hatten, und ich mich in meinem Heilungsprozess um ca. 2 Monate zurückgeworfen fühlte.

In diesen Momenten vergisst man sehr schnell, dass einem bei der Rehaentlassung sehrwohl gesagt wurde, dass es ein Jahr dauern würde, und dass es gute und schlechte Phasen geben würde. Daher geht man einfach davon aus, dass alles so gut weitergehen wird, wie es angefangen hat.

Jemand in meiner Umgebung hat es heute auf den Punkt gebracht mit den Worten: „Du warst viel zu gut beieinander für die Kürze der Zeit und die Schwere der Operation. Da musste noch was kommen“. Ach ja. Ich hätte locker drauf verzichten mögen.

Reha Teil III und Arbeitsbeginn

Aber zurück zur Reha. Jeden Dienstag hatten wir Visite. Es kam der Arzt der mich operiert hatte gemeinsam mit einem Haufen Reha-Ärzten und Pflegern und Schwestern. Das Zimmer war rappelvoll. An jenem Dienstag war die Ärztin von meiner Zwischenuntersuchung auch mit dabei. Der perfekte Zeitpunkt, wieder die Verlängerung ins Spiel zu bringen. Mein Operateur meinte, es wäre bei mir sicherlich schwierig zu argumentieren, warum ich eine Verlängerungswoche benötige, weil meine Heilerfolge sehr gut wären (da war auf einmal nix mehr von schlechter Beugung zu hören…), aber er kann sich vorstellen (und drehte sich zu meiner „Lieblingsärztin“), „dass man das schon so formulieren kann, dass es passt. Nicht wahr, Frau Kollegin?“.

Die „Frau Kollegin“ kam am nächsten Tag mittags in mein Zimmer und teilte mir mit, dass sie den Brief für die Versicherung jetzt fertig hätte, allerdings vor dem Abschicken noch mit mir sprechen wollte, weil ich es mir in meinem Einzelzimmer ja so schön und gemütlich gemacht hatte. Für die Verlängerungswoche habe man nur noch Doppelzimmer zur Verfügung, und sie könne sich vorstellen, dass das für mich sehr umständlich sein könnte. Daher wollte sie fragen, ob sie den Antrag jetzt überhaupt abschicken sollte. Ich erwiderte ihr, dass mir diese eine Woche länger hier sehr wichtig ist, da die Therapien, wie man ja sieht, voll anschlagen, und ich alles mitnehme für meine vollständige Heilung, was ich mitnehmen kann. Daher werde ich auch ein Doppelzimmer für diese eine Woche in Kauf nehmen, und sie soll den Antrag bitte abschicken. Die Ärztin ging, kam sage und schreibe 3 Minuten später wieder in mein Zimmer um mir mitzuteilen, dass sie soeben den Anruf von der Verwaltung erhalten habe, dass ich nun doch in diesem Zimmer bleiben kann, die Verwaltung hat da nichts unversucht gelassen, und mit den Zimmern jongliert. Ja genau. Ganz bestimmt. Ich glaub dir das unbesehen!!!

Dass ich bereits in der dritten Woche einen gewaltigen Lagerkoller hatte, war Nebensache. Wichtig war einfach, die Therapien zu kriegen, die ich zu Hause in dem Ausmaß nie machen würde können. Und das hatte ich erreicht. Nach 4 langen Wochen konnte mich mein Liebster endlich abholen und nach Hause bringen. Was mich sehr gerührt und geehrt hat, war, dass die Therapeuten sich alle einzeln bei mir verabschiedet hatten. Neben mir standen andere Patienten, die nach Hause gingen, die bekamen diesen Service nicht. Und ein dickes Kompliment von meiner Einzeltherapeutin erntete ich auch noch, die mir sagte, dass ich mir mein wahnsinns Körpergefühl behalten solle. Neben meiner Freundlichkeit war das etwas, womit ich ihr ihre Arbeit sehr erleichtert hatte, weil ich ihr genau sagen konnte, was wo wie wann und warum weh tat oder spannte. Dankeschön! Mein Liebster neben mir war stolz ohne Ende auf mich, und ich platzte sowieso vor Stolz, denn ich hatte ja die Fortschritte alle gemacht, und hatte sie mir selbst zuzuschreiben, weil ich dafür gearbeitet hatte wie ein Vieh!

Nach weiteren 2 Wochen daheim war es Zeit, wieder an Arbeit zu denken, denn nun hatte sich auch endlich der Nachtschlaf wieder derart eingestellt, dass ich zumindest 5 Stunden durchschlafen konnte. Ich hatte mit meiner Arbeitsstelle eine Vereinbarung getroffen, nach der ich stundenweise anfangen konnte. Zweieinhalb Wochen lang durfte ich kommen und gehen, wie ich wollte. Meine Vorgesetzten waren sehr froh, dass ich wieder da und halbwegs fit war, und ich war froh, endlich wieder etwas anderes denken zu dürfen außer Knie, Knie, Knie, Knie. Eine Win-Win-Situation also ;-). Nach diesen zweieinhalb Wochen, und insgesamt exakt 3 Monate nach der OP stieg ich wieder voll ins Berufsleben ein.

Apropos denken: Es erscheint mir wichtig, zu erwähnen, dass ich seit meiner Sedierung bei der OP Denkschwierigkeiten habe. Bis vor kurzem habe ich schiefe Sätze gesprochen. Während des Sprechens fiel mir das nicht auf, erst hinterher wusste ich, was ich wieder für einen Blödsinn von mir gegeben hatte. Und ich hatte Wortfindungsstörungen. Die habe ich heute noch, es ist jetzt dreieinhalb Monate her. Ich bemühe mich sehr, diese auszumerzen. Derzeit gelingt es mir noch nicht. Allerdings bin ich guten Mutes…

Alles in allem erging es mir in meiner Rekonvaleszenz sehr gut. Ich machte täglich Fortschritte und habe es geschafft, in all der Zeit, auch wenn die Tränen flossen, auch wenn schlechte Tage dabei waren, positiv zu bleiben. Wieviel Aufwand das alles war, wieviele schlimme Phasen da dabei waren, wie groß diese Sache eigentlich war, merke ich erst jetzt, wo ich das alles niederschreibe.

Ich fahre auf dem Spinningrad zuhause zwischenzeitlich wieder meine 25 km/h Schnitt, ich war bereits in der Natur radfahren, ich mache bereits Spaziergänge im Ausmaß von eineinhalb Stunden, und ich merke, dass ich im Gehen endlich wieder schneller werde und mich nicht mehr wie eine Schnecke fortbewege. Ich bin sehr guten Mutes, dass wir heuer im Juni bereits den Drauradweg fahren werden, ich im Sommer eine kleine Bergwanderung machen werden kann und ich nächsten Winter mich sogar auf Skier trauen kann!!! Das will was heissen!

Achja, genau, das wollte ich ja auch noch festhalten: Was man nach der OP alles machen kann – O-Ton-Aussage meines Arztes: Alles, was man vorher auch gut konnte. Das heisst, vielleicht nicht unbedingt neue Sportarten einlernen, aber sehrwohl durchaus alles machen, was vorher auch drin war!

Und nach nun dreieinhalb Monaten bin ich frei von Schmerzmittel!!! Die Unruhe und der leicht dumpfe Schmerz, die mich die letzten Wochen noch abends einholten, hatte ich seit 1 Monat noch mit 1 Diclofenac und ein paar Tropfen Tramal bekämpft, um Schlaf zu bekommen. Vorher waren’s 3 Diclofenac, Tramal und Muskelrelaxant. Ein Magenschoner war selbstverständlich immer dabei.

Die OP war also ein voller Erfolg, ich würde (und werde gezwungener Maßen) es wieder so machen, und kann allen, die so etwas vor sich haben, nur alles Gute wünschen, und SEID UND BLEIBT POSITIV!!!!

Diese Serie wird in un…… (Wortfindungsstörung… hihihihi) unregelmäßigen, jetzt hab ich’s, Abständen fortgeführt, wenn es etwas berichtenswertes in der Causa Knie gibt.

Reha Teil II

Nun kam die heiss ersehnte Zwischenuntersuchung, etwa eineinhalb Wochen nach Antritt der Reha. Ich landete bei einer Frau Doktor, deren Ambitionen ich bis heute nicht verstehe. Sie fragte mich, wie es mir gehe, ich antwortete „gut“, und dann wäre ich mehr oder weniger schon wieder entlassen gewesen. Ich bat sie um eine Verlängerungswoche, weil ich doch noch so jung wäre, und so schnell wie möglich wieder arbeiten gehen wollen würde, und so schnell wie möglich wieder voll fit sein wollen würde. Ihre Antwort war, dass die Therapien, die ich hier machte, ja maximal unterstützen können, für mich zählt jetzt nur Bewegung, Bewegung, Bewegung, und dass die Entscheidung, ob ich eine Verlängerung kriegen würde, getrost ihr und meinen Therapeuten überlassen könne, man wird mich zu gegebener Zeit informieren. Ich hörte nie mehr wieder was. Und ich ärgerte mich über die herablassende Art, denn es hörte sich sehr danach an, dass ich als Systemausnutzer gesehen wurde.

Ich machte also brav weiter meine Therapien. Achja, noch was: Wer glaubt, dass es mit den Therapien, die man in den Gruppenstunden und Einzeltherapien macht, getan ist, sollte sich die Welt nicht allzu rosa ausmalen. Sofern es mir möglich war, ging ich jeden Tag selbständig in den Fitnessraum und trainierte entweder mit dem BalanceBoard oder mit der Kletterwand und/oder ich setzte mich zusätzlich aufs Rad. An den Wochenenden, an denen wenig bis keine Therapien stattfanden, waren ausgedehnte Spaziergänge und Gymnastikraum angesagt. Sobald es möglich war, fuhr ich die Stockwerke nicht mehr mit dem Aufzug sondern übte Treppen steigen.

Darum konnte ich auch den ewigen Jammerern nicht mehr zuhören, die ständig erzählten, bei ihnen trete keine Besserung ihres Zustandes ein. Man sah immer nur dieselben im Fitnessraum. Und das waren bestimmt nicht diejenigen, die jammerten! Es war viel Arbeit. Und sie musste sein. Punktum. Und wer glaubt, mit ein bisschen Wischiwaschi-Übungen schnell wieder fit zu werden, der glaubt halt nur.

Nach insgesamt sechseinhalb Wochen nach der OP konnte ich dann die Krücken ins Eck stellen. Vorerst nahm ich auf Anraten der Therapeuten die Krücken verkehrt, damit sie keine sooooo große Stütze mehr waren aber für den Notfall immer noch da. Dann durfte ich sie im Gebäude weggeben. Wenn ich raus ging, nahm ich sie gerne noch, denn jede Gehsteigkante wurde ein schier unüberwindbares Hindernis. Sollten Sie je jemanden (mit oder ohne Krücken) vor einer Gehsteigkante sehen, der augenscheinlich sich eigenartig verhält, so überlegt er vermutlich gerade, wie er den Schritt nach unten bewältigen soll, ohne nach vorne zu kippen.

Das bringt mich nämlich auf ein Thema, das ich bald schon wieder verdrängt hätte – meine Angst, mit dem Knie nach vorne zu schnalzen. Die ersten 5 cm, wenn man in die Knie geht, waren für längere Zeit eine schier unüberwindbare Sache, weil ich ständig das Gefühl hatte, das Knie hat keinen Halt, schnalzt nach vorne und ich falle. Meine Therapeuten kämpften mit mir an einer Front, ich bekam Tapes, man versuchte alles! Schließlich schaffte ich es, diese 5 cm zu überwinden. Ein eigenartiges Gefühl ist es auch jetzt, 3 Monate nach der OP noch, aber zumindest weiss ich, dass der Halt gegeben ist. Ich führe dieses Unsicherheitsgefühl auf die Schwellung im Knie zurück. Und wieder muss ich gestehen, dass diese Barriere wohl mehr in meinem Kopf existierte, als dass sie tatsächlich da gewesen wäre.

Sobald die Krücken weg waren, war Treppen steigen lernen angesagt. Wenn man auf beiden Knien jetzt nicht unbedingt das große Vertrauen hat, ist das treppab steigen schon eine ganz schöne Herausforderung. Es hat mich ein ganzes Wochenende etwa 10 mal vom Keller in den 3. Stock und wieder retour gekostet, etwas Vertrauen zu bekommen. Dafür erntete ich Montag ein dickes fettes Lob von der Therapeutin! Allerdings konnte ich die Treppe nicht immer super bewältigen – es gab gute und schlechte Tage.

Das übrigens war mein Spruch für alle, die mich fragten, wie es mir gehe: Es gibt gute und schlechte Tage. Manchmal gab es auch gute und schlechte Stunden. Damit musste man sich abfinden, dass der Zustand immer mal wieder wechselte. Auf 2 hintereinander folgenden gute Tage kamen mit großer Bestimmtheit ein paar schlechtere. Ein ewiges Auf und Ab für sehr lange Zeit.

Die Beweglichkeit und Kraft meiner Beine wurde jeden Tag besser, auch wenn das Schmerzempfinden eben jeden Tag unterschiedlich war. Wenn ich sage, die Beweglichkeit wurde besser, meine ich nicht die Beugung, die ist auch nach 3 Monaten noch immer auf 120 Grad, und nicht spontan verfügbar, sondern wenn ich mich aufs Rad setze, muss ich sie mir die ersten 3-4 Umdrehungen schmerzhaft erarbeiten. Ausserdem habe ich zwar 120 Grad auf dem Rad, nicht aber, wenn ich liege, und den Fuss aufstelle. Da muss ich froh sein, nach einiger Zeit und Massage auf 105-110 Grad zu kommen. Der Alltag ist allerdings mit dieser Beugung recht gut bewältigbar.

Zu schaffen machten mir lange Zeit Muskelkrämpfe in den Oberschenkeln, die natürlich immer abends und nachts auftraten. Das Magnesium, das ich dagegen verabreicht bekam, war ohne jegliche Wirkung. Abends, wennich mich ins Bett legte, krampfte der Muskel und liess mich nicht einschlafen. Hatte ich es doch irgendwie geschafft, einzuschlafen, wurde ich bald darauf wieder wach und der Muskel krampfte (wieder oder noch immer). Wenn ich auf der Seite lag (was nach 2 Monaten für etwa 2 Stunden wieder möglich war, was sich idealerweise mit meinem Schlafrhytmus deckte) und wegen der Muskelkrämpfe wach wurde, drehte ich mich auf den Rücken, musste aber die angewinkelten Beine händisch nach unten drücken. Nachdem ich dieses Spiel einige Wochen mitgespielt hatte, ließ ich mich nach der Reha, zu Hause, trotz anfänglichem Widerstands, dazu hinreissen, ein Muskelrelaxant zu nehmen, das ich mal bei einem meiner Bandscheibenvorfälle verschrieben bekam. Der Effekt war, dass sich der Muskel zwar nicht mehr so stark krampfte, ich allerdings für den Gang zur Toilette mitten in der Nacht Hilfe benötigte, weil mir die Beine fast wegknickten. Das war nun auch nicht das Gelbe vom Ei. Mit dem Hausarzt zusammen fanden wir eine Lösung in Form von „Sirdalud“, einem nur sehr dosierten Muskelrelaxant. Nach 14tägiger Einnahme konnte ich dieses Medikament dann auch wieder weglassen, und alles normaliserte sich.