1 Tag nach der Operation

Auf der Intensivstation kümmerte man sich rührend um mich. Bereits vom OP weg bekam ich eine Art Heizdecke, die es kuschelig warm unter der Decke machte – ich fror enorm. Und ich hatte Durst. Man versorgte mich mit Tee, und ich schüttete gleich mal fast einen ganzen Liter in mich hinein – nicht gerade das Beste nach einer OP. Die Rechnung sollte ich eh sofort präsentiert bekommen, ich kotzte prompt alles wieder raus. Das war aber nicht unangenehm, da sich das Getrunkene noch nicht mit Magensäure angereichert hatte.

Dieses Spielchen spielten wir so 3 bis 4mal, die Pfleger waren sehr nett und geduldig und hilfsbereit. Erst am Abend, bei der Übergabe der Tagschicht zur Nachtschicht, erfuhr ich dann den Grund, warum ich soviel kotzen musste. Normalerweise wird das Blut, das man während der OP verliert, aufgefangen, und man erhält es auf der Intensivstation wieder zurück. Bei mir ging das leider nicht, weil meine Blutkonserven leider am Boden landeten. Dann dürfen die das nicht mehr hergeben, weil es kontaminiert ist. Wusste ich bis dahin auch noch nicht. Ich dachte, das ist ja eh verpackt, was soll da schon passieren. Naja, schließlich weiss ich ja auch nicht genau, wie und unter welchen Umständen mein Blut am Boden landete…

Gegen die Schmerzen hatte ich eine Schmerzpumpe erhalten, deren Schläuchlein irgendwo in meinen Rücken führte, und mittels der ich selbständig entscheiden konnte, wann ich eine zusätzliche Dosis Schmerzmittel benötigen würde. Ich genoss es, nicht um Schmerzmittel bitten zu müssen, denn damit hatte ich in der Vergangenheit schon zuviele doofe Erlebnisse gehabt, von „tut’s Ihnen wirklich so weh?“ über die Tatsache, dass die Schwestern erst mit den schwächeren Mitteln anfangen müssen und erst wenn du heulst wie ein Schlosshund, dürfen sie dir die guten Dinge verabreichen, bis hin zu dem Superspruch während du heulst wie ein Schlosshund: „Sie dürfen sich nicht so aufregen, das fördert nicht Ihre Heilung!“ Die Schmerzpumpe war für ca. 36 Stunden gedacht.

Am nächsten Tag um 09:00 Uhr wurde ich wieder auf meine Station gebracht. In meinem Zimmer wuselte bereits ein Physiotherapeut (der Beste!!!) herum, der meine Ankunft mit einem „sehr gut“ quittierte und mir gleich mal die Beugeschiene für meine Knie ins Bett schob, eines meiner operierten Beine einspannte, und die Maschine fing an, mein Knie zu beugen. Ich glaube, das erste Mal fuhren wir so mit 50 Grad – ich weiss es nicht mehr genau. Spannend jedenfalls, gleich am ersten Tag…. Pro Bein lag man da eine Stunde in dieser Maschine drin und die beugte unaufhörlich in lähmend einschläferndem Tempo das Knie.

Und bei dieser Gelegenheit möchte ich erwähnen, dass ich bisher nicht wusste, dass es Krankenhäuser gibt, die soundsoviele Physiotherapeuten beschäftigen, um die Patienten gleich nach der OP wieder zu mobilisieren. Das war Gold wert! Man hat soviele Fragen, jedes kleine und große Ziehen und Stechen und und und will man erklärt haben, und mein PT dort hat sich die Zeit und Muße genommen, sich wirklich mit mir auseinander zu setzen. Ich war und bin davon höchst begeistert!

Gegen Mittag war ich mit beiden Beinen durch. Am Nachmittag wurde das Spiel wiederholt, und ich wurde informiert, dass man mich nach der Maschine das erste Mal auf die Füsse stellen wolle. Die Spannung stieg also. Nichts desto trotz war mir durch den Blutverlust immer noch sehr schwindlig, was beim erstmaligen Aufstehen sich als nicht grad super erweisen könnte. Davon abgesehen war ich natürlich hochgradig nervös, denn für mich war eines enorm wichtig: Selbständig stehen zu können. Ich wusste für mich: Wenn ich das kann, ist alles andere halb so schlimm, gehen kann ich wieder lernen. Aber ich MUSS STEHEN KÖNNEN! Die neuen Gelenke müssen da unbedingt gut herhalten.

Was soll ich sagen. Mein Physiotherapeut (PT) holte sich einen seiner Kollegen, so flankierten sie mich, einer links, einer rechts (meine Krücken haben wir dankenswerter Weise bereits vor der OP auf die richtige Höhe gebracht), und ich stöhnte das erste Mal vom Bett auf – kein leichtes Unterfangen. Die Krankenhausbetten sind ja perfekter Weise höhenverstellbar, das hilft in jedem Fall beim Hochkommen! Kraft war genau gar keine da, aber wozu hatte man denn links und rechts 2 junge Männer…. Und so stand ich denn schließlich, allein (die beiden ließen dann irgendwann aus), testend, und mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Ich strahlte übers ganze Gesicht, denn ich konnte super stehen, die Knie hielten, sie kippten nicht nach vorne weg, und das war die halbe Miete!

Allerdings war mein Schwindel so stark, dass ich mich wieder setzen musste – leider, denn sonst hätte man schon die erste Runde mit mir im Zimmer gedreht. Meine Enttäuschung konnte mein PT sehr gut verstehen, darum kam er eine halbe Stunde später mit einem kreislaufstabilisierenden Mittel nochmal vorbei, verabreichte es mir, und ließ mich nochmal aufstehen und ein paar Schritte im Zimmer umher gehen. Ich habe mich so gefreut, dass meine Beine gehorchten, meine neuen Knie mich trugen und meiner Heilung nun nichts mehr im Wege stehen sollte!

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