9 Monate danach

9 Monate sind nun vergangen, seit ich beidseits Knieprothesen eingesetzt bekam. Pauschal kann ich feststellen, dass meine Lebensqualität wesentlich höher ist als in dem Jahr vor der Operation. Das bedeutet für mich, dass die Operation absolut notwendig, sinnvoll, und ein voller Erfolg war.

Ich leide allerdings wahnsinnig unter meiner Gewichtszunahme, die ich mir leider nicht erklären kann, denn soviel fresse ich nicht, dass 13 kg Zunahme innerhalb eines Jahres bzw. 7 kg innerhalb des letzten halben Jahres gerechtfertigt wären. Ganz im Gegenteil. Ich führe das auch zum Teil auf die Operation, die Schmerzmittel, und sonstige Dinge zurück, die meinen Körper in Ausnahmezustand versetzt haben, wovon er sich offenbar nur schwer wieder erholt. Ich arbeite hart daran, dieses Gewicht wieder los zu werden, denn jedes einzelne Kilo drückt auf die Kniegelenke, und ich für mich möchte alles, wirklich alles dafür tun, dass diese Prothesen so lange wie nur irgendmöglich halten. Ich möchte mir nicht den Vorwurf machen müssen, schwer übergewichtig durch die Gegend gelatscht zu sein, nichts dagegen unternommen zu haben, und deshalb ist der Abrieb des Kunststoffs innen drin schneller passiert als bei nicht übergewichtigen Menschen. (Der Kunststoff befindet sich quasi zwischen Unter- und Oberschenkel als Puffer. Da gibt es im Laufe der Zeit einen Abrieb, der sich im Gewebe festsetzt, das Gewebe erkennt diesen Abrieb als körperfremd und möchte ihn loswerden, reagiert entsprechend mit (schmerzhaften) Entzündungen, die auf Dauer die Prothese locker werden lassen.)

Fangen wir mal mit den Dingen an, wo ich mir noch Besserung erwarte:

Ich kann nicht lange Stehen. Das schränkt mich einerseits ein für etwaige Konzertbesuche, andererseits ist der Plausch mit der Nachbarin im Stiegenhaus begrenzt ;-). Überhaupt, länger in einer starren Position zu sein (Stehen, Sitzen, Liegen) tut mir im Allgemeinen nicht gut. Aus dieser länger eingenommenen Position dann herauszukommen ist auch immer recht eigenartig, einerseits zieht sich dann der Oberschenkelmuskel total zusammen, andererseits sind die ersten Bewegungen dann ausgesprochen unrund und es dauert wieder ein Weilchen, bis ich mich normal bewegen kann.

Knien ist auch so eine Sache, die unangenehm ist. Ich kann den Schmerz, den ich dabei (noch) empfinde, kaum beschreiben, weil er gänzlich neu ist und so anders als alle anderen Schmerzempfindungen, die ich bisher in meinem Leben hatte. Vielleicht kann ich es so beschreiben, als ob man auf einer Vierkant-Eisenstange knien würde. Was ganz gut funktioniert, ist das Knien auf einem dicken Polster (Couchpolster). Nun, ich knie ohnehin nicht sehr gerne, der Verlust wäre verkraftbar. Wenn da nicht eine Kleinigkeit wäre. Nämlich die, dass ich in den letzten Monaten wohl doch eine Schonhaltung eingenommen habe, die meinen Bandscheibenvorfall zwischen L5 und S1 wieder spürbar macht. Um dagegen angehen zu können, muss ich ein paar Übungen machen zur Festigung der Kreuz- und Bauchmuskulatur. Eine davon, die beste, geht vom Vierfüsslerstand aus. Und der lässt sich jetzt nunmal nicht ohne knien bewerkstelligen. Aber, wie beschrieben, mit dickem Polster geht es.

Die Beugung im linken Knie habe ich leider nicht hingebracht. Das Erfolgserlebnis, das ich mit dem rechten Knie in Sachen Beugung hatte, konnte ich leider nicht nach links transferieren. Ich lebe damit. Und hoffe, dass es vielleicht doch noch irgendwann irgendwie dazu kommt, dass sich diese Spannung oder Verklebung oder was auch immer es sein mag, da drinnen, löst.

Beim rechten Knie habe ich ein großflächiges Taubheitsgefühl rund um die Narbe. Ich glaube aber, dass das Gefühl in dieser Region zurückkehren wird, sukzessive. Allerdings wird das dauern, und zwar eine gefühlte Ewigkeit…

Ich kann seit der Operation nachts nicht mehr durchschlafen. Manchmal werde ich zweimal wach, manchmal auch fünfmal pro Nacht. Das ist ziemlich lästig. Aber da hoffe ich ebenfalls noch auf Besserung.

Ich habe abends oft ein Spannungsgefühl in der Narbe. Ich fange mir dann meine fetteste Creme oder Öl heraus und massiere. Das hilft.

Meine Knie sind sehr viel Arbeit. Wehe, ich mache mal 3 Tage hintereinander nichts (kein Radfahren, keine Kniebeugen). Sofort habe ich das Gefühl, dass alles locker ist, da innen drin, und ich bekomme Schmerzen beim Gehen, das Stiegensteigen fällt mir wieder schwerer… Meinem Empfinden nach wird das so bleiben. Das bedeutet, ich muss konsequent bei meinen Muskeln rund ums Knie bleiben, ich muss konsequent mit denen arbeiten. Konsequenz ist nicht meine größte Stärke…

Ich bin tageweise noch immer sehr geschwollen. Und ich habe Unmengen Wasseransammlungen in den Beinen. Ich meine, das wäre vor der Operation nicht so schlimm gewesen.

Und nun zu den Highlights meiner neuen Prothesen: Ich bin sowas von zufrieden! Aber sowas von! Und überglücklich!

Anfang August bin ich an 2 Tagen hintereinander einmal 111 km und einmal 55 km geradelt, tags darauf habe ich eine eineinhalbstündige Almwanderung unternommen, den Weg bin ich auch wieder bergab gegangen, und die Knie haben super gehalten. Solche Leistungen sind zwar tagesverfassungsabhängig, waren aber vor der OP überhaupt nicht mehr möglich.

Mein Gangbild ist wieder so rund geworden, dass ich eine volle Kaffeetasse ohne Schütten zu meinem Schreibtisch tragen kann.

Ich bin weitgehend schmerzfrei, bis auf geringe Schmerzen, wenn ich es mit meinen Aktivitäten übertrieben habe.

Wer nicht weiss, dass ich knieoperiert bin, sieht es meinem Gang kaum an.

Zu den kolportierten 12 Monaten bis zum kompletten Einwachsen der Gelenke habe ich noch 3 Monate. Ich erwarte mir da noch ein wenig Besserung in oben genannten Schwachstellen. Sollte diese Besserung aber nicht eintreten, kann ich ohne weiteres sehr gut auch mit dem jetzigen Ergebnis leben.

Sollte dazwischen nicht ein berichtenswerter totaler Glücksfall oder eine mega Katastrophe über meine Knie hereinbrechen, gibt es den nächsten Bericht, wenn das Jahr voll ist, also Anfang Dezember.

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