Die Vorgeschichte zur Knieoperation, I

Für alle diejenigen, die es irgendwann mal ähnlich erwischen sollte, bereits erwischt hat, oder jemanden kennen, den es erwischt hat, oder erwischen wird…: Hier meine Kniegeschichte, wann ich mich zur OP entschlossen habe, und wie der Verlauf ist/war.

Schon in der Kindheit sprangen mir fleissig meine Kniescheiben heraus. Der Arzt und der medizinisch gebildete Leser nennen das Knieluxationen. Bloss hat das damals keiner gewusst. Weil ja auch niemand mit mir zum Arzt gegangen ist. Wobei ich nicht denke, dass ein Arztbesuch etwas geändert hätte, in den Siebzigern glaub ich, war man noch nicht ganz so weit… Zumindest nicht in der tiefsten Provinz. Nun, wie gesagt, es hat ja keiner gewusst. Man beschimpfte mich als „Botschochta“ (patschertes, tollpatschiges Wesen), weil ich irgendwie ständig auf der Nase lag, und mir meine Füsse und Hände aufschlug. Dass damals schon die Kniescheibe rausrutschte (luxierte), daran dachte doch keiner. Am wenigsten ich selbst. Denn das tat damals noch nicht weh.

Dazu sei gesagt, dass ich hypermobil, also überbeweglich, bin. In jedem einzelnen meiner Gelenke. Auch im Knie. Daher hat das damals nicht weh getan, das Kniescheiben rausspringen. Die Verletzungen vom Fallen taten schon weh. Mein Geheule wohl auch, nämlich den Ohren meiner Großeltern, Onkel und Tanten.

So, irgendwann dann, so im Teenager-Alter, fing das dann auch an, weh zu tun, das Rausspringen der Kniescheibe. Dann ging meine Mutter (bei der ich ja grad erst eingezogen war quasi) mit mir zum Orthopäden, der feststellte, dass ich einen Kniescheibenhochstand und zu lange Bänder hätte. Das veranlasste ihn, beim einen Besuch bei ihm anzuraten, abzuwarten, bis sich das „auswachsen“ würde, beim anderen Besuch war eine Operation unumgänglich. Dieses Spiel spielte meine Mutter mit ihm über einige Jahre hindurch. Sie tat das dann auch ab mit dem Wissen, dass es ihr und ihrer Mutter und ihren Geschwistern ja ähnlich ginge, und da halt nichts zu machen sei.

Ein paar Jahre später, so in Richtung Volljährigkeit, entschloss ich mich, das alles nun selbst in die Hand zu nehmen, und zu gar keinem Orthopäden mehr zu gehen. Schon damals lernte ich: 4 Ärzte, 4 Meinungen! Ich wusste lediglich, dass ich von meinem Leben soviel wie möglich haben wollte, denn eine Meinung der vier Ärztemeinungen war, dass ich wohl mit etwa 50 des Gehens nicht mehr fähig sein werde, ergo im Rollstuhl sitzen werde.

So vergingen die Jahre, eines Tages sprang mein Knie so im Alter von etwa 28 Jahren beim Paragleitstart raus und die Leidensgeschichte nahm 6 Wochen kein Ende mehr. Also suchte ich einen Orthopäden des Vertrauens meines damaligen Chefs auf, der mir eine OP am linken Kniegelenk vorschlug. Bei dieser raffte er die Bänder, putze den Meniskus feinsäuberlich und veränderte die Achse meines Beins (wobei ich glaube, dass das allein durch die Bänderraffung schon erreicht wurde). 6 Wochen trug ich eine Schiene, die mir bei Belastung nicht erlaubte, mein Knie zu beugen. Nach diesen 6 Wochen hieß es, Knie neu beugen, Muskelaufbau, arbeite gut dran, gute Frau, denn sonst wirst du hinken. Es dauerte knapp ein Jahr, bis ich beim Gehen keinen Gedanken mehr an den nächsten Schritt, die nächste Steigung oder das nächste Gefälle verschwenden musste.

Von da an luxierte kein Knie mehr, weder das linke operierte, noch das rechte nicht operierte. Mit etwa 35 Jahren traten mal wieder vermehrt Schmerzen auf, mein Operateur war nicht mehr in der Gegend und ich lernte einen jungen Mann kennen, der wiederum in seinem Bekanntenkreis einen Kapazunder auf dem Gebiet der Orthopädie kannte. Na, nichts wie hin. Bei der Auswertung meiner Röntgen- und MRI-Bilder holte er sich in meinem Beisein einen Assistenzarzt dazu, und fragte diesen, wie alt er die Person schätzen würde, dessen Bilder er sich da gerade ansähe. Der Assi schätzte auf 75 Jahre, woraufhin der Kapazunder auf mich deutete und ich in Tränen ausbrach.

Er (der Kapazunder) erklärte mir, dass die OP eigentlich alles schlimmer anstatt besser gemacht hatte (das war halt der damalige Wissensstand, meinte er), und die Kniescheibe sich durch ihre neue Stellung einen neuen Weg in mein Gelenk geschrappt hätte und somit die Abnützungen (Arthrose) nur noch wesentlich schlimmer geworden wäre. Na toll. Er empfahl mir eine Operation an beiden Beinen, bei der er mein Schienbein durchtrennen, schief abschneiden und neu wieder zusammensetzen würde und dadurch eine Gradstellung meines Beines erreichen würde. Ich solle mich schnell entscheiden. Ich lehnte dankend ab und frettete mich weiter durch bis zu meinem 41. Lebensjahr. (durchfretten ist ziemlich anstrengend!!!)

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