Krankenhausaufenthalt

Am Abend des Tag 1 nach der Operation fing die Schmerzpumpe an zu piepsen, und meine Angst davor, dass sie mir das geliebte Ding wegnehmen, stieg. Ich fand Gehör bei einer älteren Krankenschwester, die sich für mich einsetzen wollte, weil ich doch 2 Knie auf einmal hatte machen lassen, die anderen haben doch nur 1 Knie… Ich hatte Glück, man genehmigte mir ein einmaliges Auffüllen der Schmerzpumpe. Weitere Schmerzfreiheit für 36 Stunden waren also garantiert. Danach wurde umgestellt auf Tabletten und Tropfen, und ich muss fairer Weise sagen, es funktionierte sehr gut. Allgemein hatte ich im Krankenhaus wenig bis gar keine Schmerzen.

So vergingen 11 Tage im Krankenhaus. Morgens mühevolle Körperpflege, die in den ersten Tagen vor lauter Anstrengung jedesmal schweißgebadet endete, was den Erfolg der Körperpflege wieder ad absurdum führte, vormittags und nachmittags je Bein 1 Stunde Schienenfahrt + etwa 15 bis 30 Minuten Gang auf-und-ab-spazieren mit dem Physiotherapeuten (PT), dazwischen selbständiges Üben mit verschiedenen Übungen und selbständigem Gang-spazieren. Wichtig war ein gewisses Mittelmaß. Nicht zuviel tun, aber auch nicht zuwenig. Ein Zuviel an Bewegung bedeutete unweigerlich Schmerzen. Nicht sofort. Nein! Schmerzen kommen grundsätzlich sehr gerne zwischen 23:00 und 5:00 Uhr. Da wo man sie wirklich gut brauchen kann! Ein Zuwenig an Bewegung brauche ich wohl nicht weiter ausführen: Keine Muskelbeanspruchung = Keine Besserung des derzeitigen Zustandes.

Von Tag zu Tag konnte ich feststellen, dass die Bewegung am Gang einfacher und schneller wurde. Auch der Schwindel aufgrund des Blutverlustes verschwand nach einigen Tagen. Allerdings machte mir der Beugegrad meiner Knie Sorgen. Das heisst, mir machte er erst Sorgen, nachdem es meinem PT Sorgen machte und er mir mitteilte: „Ich habe schon mit deinem Arzt gesprochen, im Fall wirst du nochmal für 10 Minuten narkotisiert und deine Beine durchgebogen!“ Was ich auf keinen Fall wollte, war eine weitere Narkose. Als erstes schmiss ich mal meine Nerven weg und fing an zu heulen. Meine Schwägerin beruhigte mich dann wieder ein wenig, denn sie hielt mir meine Erfolge der letzten Tage vor Augen. Und ich begann, mit vollem Ehrgeiz (und Schmerzeinsatz, leider), meine Knie besser zu beugen. Von 60 Grad auf 70, auf 80, auf 90, auf 100. Nicht ganz ohne Schwindelei, wie ich zugeben muss, aber ich hatte die Gefahr einer weiteren Narkose abgewandt.

Wie man da schwindeln kann? In dem man in der Schiene mit dem Becken ausweicht, vorne aus der Fixierung schlüpft…
Was mich fertig machte, war, dass ich jeden vormittag und jeden nachmittag wieder bei 60 Grad anfing. Steigern konnte ich erst sukzessive innerhalb der Stunde, in der ich in der Schiene lag. Dass meine Beugung 100 Grad erst erreicht, wenn ich 20 Minuten Schiene hinter mir hatte, interessierte aber die Ärzte und Schwestern, die Beugung sehen wollten, herzlich wenig. So war es ein ständiger Kampf bei der täglichen Visite, die Grade halbwegs hinzukriegen. Die Visite kam Gott sei Dank meist, während ich in der Schiene lag, somit war das Gewebe schon etwas weicher, und die Beugung schon etwas besser…

Geschlafen habe ich während des Krankenhausaufenthaltes recht gut. Man sollte da wirklich nicht päpstlicher sein als der Papst – im Krankenhaus Schlaftabletten zu nehmen, ist sehr sinnvoll und gut, und von den paar Tagen wird man sicherlich nicht süchtig davon, meinten auch die Krankenschwestern.

Die Entfernung der Klammern der Naht erfolgte am 10. Tag. Ich möchte dazu sagen, dass ich bei Nahtentfernungen bis jetzt immer Schmerzen verspürte (bis auf einmal – die Schlingennaht, die war phantastisch!), und es nicht nachvollziehen kann, dass Menschen sagen, eine Nahtentfernung täte nicht weh. Bei den Klammern war es dasselbe. Ich warnte den Arzt und die Schwester vorher, dass ich vermutlich zucken und jammern werde. Ich wurde von der Schwester danach gefragt, wieviele Geburten das denn nun waren. JA, ICH BIN WEHLEIDIG! MIR TUT DAS WEH!

Entlassen wurde ich dann nach 11 Tagen mit 110 Grad Beugung am rechten Knie und 100 Grad Beugung am linken Knie (wer’s glaubt, wird selig).

Was mir außerdem Sorgen bereitete, war mein Zugang zum Muskel. Der war nicht mehr da. Ich konnte zwar gehen, und dabei funktionierte alles quasi „automatisch“, aber beim liegenden Bein bewusst den Oberschenkel anzuspannen, schaffte ich nicht. Das kannte ich allerdings bereits von meiner ersten KnieOP. Ich habe keine Arztmeinung zu dem Thema eingeholt. Ich stelle mir nur vor, dass die Nerven da so beleidigt sind, dass sie den Dienst versagen. Das heisst, der Befehl geht zwar vom Hirn weg, kommt aber beim Oberschenkelmuskel nie an, weil irgendwo mittendrin die Nerven die Information nicht weitergeleitet haben. Der Zugang zum Muskel kommt aber mit ständigem Versuchen irgendwann wieder. Das letzte Mal hat es 3 Monate gedauert, diesmal ging es relativ schnell, dass ich wieder bewussten Zugang zum Muskel erhielt, nach 8 Tagen konnte ich ein leichtes Muskelzucken hervorrufen, das sich von da an auch täglich besserte.

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