Reha Teil I

Nun also auf in die Reha. Der Aufenthalt war für 3 Wochen angesetzt, ich habe aber jedem, der es hören wollte, schon von vorne herein gesagt, dass ich an Hilfsmittel zur Genesung alles mitnehmen werde, was es nur an Möglichkeiten gibt, und wenn mir eine Verlängerungswoche genehmigt würde, nähme ich diese auch sofort. Darauf habe ich dann auch schon bei der Erstuntersuchung bei einer sehr netten Ärztin hingewiesen. Die hat mir erklärt, dass ich das zur Zwischenuntersuchung bekannt geben soll.

Man maß wieder mal meine Beugung (dieses Wort steigerte sich echt zur Unsäglichkeit!), und die Ärztin meinte, ich solle mich wegen den Graden nur ja nicht von anderen Patienten stressen lassen, die würden alle schwindeln. Ich wäre eh gut dabei mit meinen etwas über 100 Grad. Das sah nur leider mein Herr Operateur 4 Tage später nicht so. Der meinte, nachdem ich mit stolz geschwellter Brust erklärte, dass ich 115 Grad in der Schiene erreicht hatte, dass 120 Grad schon längst gehen müssten, und ich muss halt auch mal meine Grenzen überschreiten (oh wie ich das satt hatte).

Wie auch immer. Reha. Ein sehr junges Reha-Team, Daumen mal Pi geschätzt war keine/r älter als 30 Jahre. Anfangs war ich etwas irritiert deswegen (oh mein Gott, die haben doch keine Erfahrung…)! Aber das stellte sich ganz schnell als Irrtum meinerseits heraus. Diese Therapeuten hatten alle eine sehr fundierte Ausbildung, hatten bereits etwas Erfahrung gesammelt, waren total ambitioniert und noch nicht zu verbraucht, um auf den einzelnen Patienten einzugehen. Mir war eine Einzeltherapeutin zugeteilt, die ich 4x pro Woche sah, und die meine Fortschritte ganz individuell begutachtete und mit mir einen Plan erstellte, wie wir das eine oder andere Wehwehchen oder Stolpersteinchen in den Griff kriegen konnten. Der Rest war dann Gruppentherapie (es gab Gruppe Knie und Gruppe Hüfte – seither heisse ich bei meinem Schatz nur noch „Gruppe Knie, bitte antreten“), Unterwassergymnastik (meine Lieblingsdisziplin), Ausdauer, Elektro, Kryo (Kältetherapie), und Ultraschall. Eigentlich hätten wir dann noch Schiene gehabt. Doch dazu im nächsten Absatz, vorher noch ein lobendes Therapeutenwort: Die waren untereinander hervorragend vernetzt. Wenn ich in der Gruppe irgendeine Übung nicht ausführen konnte, wusste das meine Einzeltherapeutin bei unserer nächsten Zusammenkunft, und arbeitete mit mir daran. Gut organisiert, die Damen und Herren!

Am ersten Tag meiner Therapien musste ich feststellen, dass ich bei Elektro, Ultraschall und Schiene fahren (für meine geliebte Beugung) mir aussuchen konnte/musste, welches Knie ich behandelt haben wollte, da die Krankenkasse mir für 2 Knie dieselbe Anzahl an Therapien genehmigte wie für ein Knie. Meine Beschwerden dahingehend führten dazu, dass ich wenigstens die Schiene aufs Zimmer bekam und so in meiner ohnehin maßlos übertriebenen Freizeit (ohne Ironie!) selbständig weiter an meiner 120-Grad-Beugung arbeiten konnte. Dadurch waren dann die Gruppen-Schienen-Therapien gestrichen.

Unterwassergymnastik war wirklich meine Lieblingstherapie. Bei den Unterwasserübungen hatte ich einen Ausblick, wie es werden würde, wenn alles wieder gut und geheilt ist. Da im Wasser kein Gewicht auf die Knie wirkt, waren die Bewegungen gut durchzuführen. Solange ich noch meine Krücken hatte und nicht ohne diese Treppen steigen konnte, musste man mich mit dem Badelifter in das Becken fahren. Der Badelifter hat eine gähnend langsame Geschwindigkeit, sodass von den 20 Minuten Therapie bereits gefühlte 10 mit dem Rein- und Rausfahren draufgingen. Daher „sprang“ ich immer schon frühzeitig ab, was den Therapeuten wirklich oft Mühe bereitete. Schließlich trugen sie während der Therapie die Verantwortung für den Patienten. Aber was solls. Es war ja bloß Wasser, und es war nicht weit, und dankenswerter Weise passierte mir ja nix.

Bei der Ausdauer wurde 20 Minuten Rad gefahren. Die Ergometer in der Klinik hatten verstellbare Pedale, die auf die jeweilige Beugung eingestellt werden konnten. Nach 2 Tagen hatte ich die vollen Grade erreicht und heulte wieder einmal, vor Freude darüber! Ich sah mich schon im Frühling und Sommer wieder am Radl sitzen! YEAH!

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