Reha Teil III und Arbeitsbeginn

Aber zurück zur Reha. Jeden Dienstag hatten wir Visite. Es kam der Arzt der mich operiert hatte gemeinsam mit einem Haufen Reha-Ärzten und Pflegern und Schwestern. Das Zimmer war rappelvoll. An jenem Dienstag war die Ärztin von meiner Zwischenuntersuchung auch mit dabei. Der perfekte Zeitpunkt, wieder die Verlängerung ins Spiel zu bringen. Mein Operateur meinte, es wäre bei mir sicherlich schwierig zu argumentieren, warum ich eine Verlängerungswoche benötige, weil meine Heilerfolge sehr gut wären (da war auf einmal nix mehr von schlechter Beugung zu hören…), aber er kann sich vorstellen (und drehte sich zu meiner „Lieblingsärztin“), „dass man das schon so formulieren kann, dass es passt. Nicht wahr, Frau Kollegin?“.

Die „Frau Kollegin“ kam am nächsten Tag mittags in mein Zimmer und teilte mir mit, dass sie den Brief für die Versicherung jetzt fertig hätte, allerdings vor dem Abschicken noch mit mir sprechen wollte, weil ich es mir in meinem Einzelzimmer ja so schön und gemütlich gemacht hatte. Für die Verlängerungswoche habe man nur noch Doppelzimmer zur Verfügung, und sie könne sich vorstellen, dass das für mich sehr umständlich sein könnte. Daher wollte sie fragen, ob sie den Antrag jetzt überhaupt abschicken sollte. Ich erwiderte ihr, dass mir diese eine Woche länger hier sehr wichtig ist, da die Therapien, wie man ja sieht, voll anschlagen, und ich alles mitnehme für meine vollständige Heilung, was ich mitnehmen kann. Daher werde ich auch ein Doppelzimmer für diese eine Woche in Kauf nehmen, und sie soll den Antrag bitte abschicken. Die Ärztin ging, kam sage und schreibe 3 Minuten später wieder in mein Zimmer um mir mitzuteilen, dass sie soeben den Anruf von der Verwaltung erhalten habe, dass ich nun doch in diesem Zimmer bleiben kann, die Verwaltung hat da nichts unversucht gelassen, und mit den Zimmern jongliert. Ja genau. Ganz bestimmt. Ich glaub dir das unbesehen!!!

Dass ich bereits in der dritten Woche einen gewaltigen Lagerkoller hatte, war Nebensache. Wichtig war einfach, die Therapien zu kriegen, die ich zu Hause in dem Ausmaß nie machen würde können. Und das hatte ich erreicht. Nach 4 langen Wochen konnte mich mein Liebster endlich abholen und nach Hause bringen. Was mich sehr gerührt und geehrt hat, war, dass die Therapeuten sich alle einzeln bei mir verabschiedet hatten. Neben mir standen andere Patienten, die nach Hause gingen, die bekamen diesen Service nicht. Und ein dickes Kompliment von meiner Einzeltherapeutin erntete ich auch noch, die mir sagte, dass ich mir mein wahnsinns Körpergefühl behalten solle. Neben meiner Freundlichkeit war das etwas, womit ich ihr ihre Arbeit sehr erleichtert hatte, weil ich ihr genau sagen konnte, was wo wie wann und warum weh tat oder spannte. Dankeschön! Mein Liebster neben mir war stolz ohne Ende auf mich, und ich platzte sowieso vor Stolz, denn ich hatte ja die Fortschritte alle gemacht, und hatte sie mir selbst zuzuschreiben, weil ich dafür gearbeitet hatte wie ein Vieh!

Nach weiteren 2 Wochen daheim war es Zeit, wieder an Arbeit zu denken, denn nun hatte sich auch endlich der Nachtschlaf wieder derart eingestellt, dass ich zumindest 5 Stunden durchschlafen konnte. Ich hatte mit meiner Arbeitsstelle eine Vereinbarung getroffen, nach der ich stundenweise anfangen konnte. Zweieinhalb Wochen lang durfte ich kommen und gehen, wie ich wollte. Meine Vorgesetzten waren sehr froh, dass ich wieder da und halbwegs fit war, und ich war froh, endlich wieder etwas anderes denken zu dürfen außer Knie, Knie, Knie, Knie. Eine Win-Win-Situation also ;-). Nach diesen zweieinhalb Wochen, und insgesamt exakt 3 Monate nach der OP stieg ich wieder voll ins Berufsleben ein.

Apropos denken: Es erscheint mir wichtig, zu erwähnen, dass ich seit meiner Sedierung bei der OP Denkschwierigkeiten habe. Bis vor kurzem habe ich schiefe Sätze gesprochen. Während des Sprechens fiel mir das nicht auf, erst hinterher wusste ich, was ich wieder für einen Blödsinn von mir gegeben hatte. Und ich hatte Wortfindungsstörungen. Die habe ich heute noch, es ist jetzt dreieinhalb Monate her. Ich bemühe mich sehr, diese auszumerzen. Derzeit gelingt es mir noch nicht. Allerdings bin ich guten Mutes…

Alles in allem erging es mir in meiner Rekonvaleszenz sehr gut. Ich machte täglich Fortschritte und habe es geschafft, in all der Zeit, auch wenn die Tränen flossen, auch wenn schlechte Tage dabei waren, positiv zu bleiben. Wieviel Aufwand das alles war, wieviele schlimme Phasen da dabei waren, wie groß diese Sache eigentlich war, merke ich erst jetzt, wo ich das alles niederschreibe.

Ich fahre auf dem Spinningrad zuhause zwischenzeitlich wieder meine 25 km/h Schnitt, ich war bereits in der Natur radfahren, ich mache bereits Spaziergänge im Ausmaß von eineinhalb Stunden, und ich merke, dass ich im Gehen endlich wieder schneller werde und mich nicht mehr wie eine Schnecke fortbewege. Ich bin sehr guten Mutes, dass wir heuer im Juni bereits den Drauradweg fahren werden, ich im Sommer eine kleine Bergwanderung machen werden kann und ich nächsten Winter mich sogar auf Skier trauen kann!!! Das will was heissen!

Achja, genau, das wollte ich ja auch noch festhalten: Was man nach der OP alles machen kann – O-Ton-Aussage meines Arztes: Alles, was man vorher auch gut konnte. Das heisst, vielleicht nicht unbedingt neue Sportarten einlernen, aber sehrwohl durchaus alles machen, was vorher auch drin war!

Und nach nun dreieinhalb Monaten bin ich frei von Schmerzmittel!!! Die Unruhe und der leicht dumpfe Schmerz, die mich die letzten Wochen noch abends einholten, hatte ich seit 1 Monat noch mit 1 Diclofenac und ein paar Tropfen Tramal bekämpft, um Schlaf zu bekommen. Vorher waren’s 3 Diclofenac, Tramal und Muskelrelaxant. Ein Magenschoner war selbstverständlich immer dabei.

Die OP war also ein voller Erfolg, ich würde (und werde gezwungener Maßen) es wieder so machen, und kann allen, die so etwas vor sich haben, nur alles Gute wünschen, und SEID UND BLEIBT POSITIV!!!!

Diese Serie wird in un…… (Wortfindungsstörung… hihihihi) unregelmäßigen, jetzt hab ich’s, Abständen fortgeführt, wenn es etwas berichtenswertes in der Causa Knie gibt.

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