zu Hause Teil II

Was tat ich also nun so zu Hause? Nun, ich hatte eine Beugeschiene leihweise mit nach Hause bekommen. Mit der übte ich so etwa 2 Stunden des Tages meine Beugung. In dieser Zeit verschwand mein Liebster meist, denn das war seine kostbare Freizeit, in der er mal wieder tun konnte, was er wollte, ohne auf mich und meine (hoffentlich vorübergehenden….) Gebrechen Rücksicht nehmen zu müssen.
Weiters haben wir im Krankenhaus diverse Übungen gezeigt bekommen, die ich versuchte, zu Hause hinzubekommen. Dazu gehörte „auf Zehenspitzen stehen“, „Einbeinstand“ und beugen, beugen beugen beugen beugen. Mein Einserthema während laaaanger Zeit. Auch mein Physiotherapeut hatte sich ausgiebigst dem Thema beugen beugen beugen beugen gewidmet. Die Fusserl waren ja grad frisch operiert, und mein rechtes Fusserl war schlechter beinand als das linke, daher kümmerte er sich auch rührend um mein rechtes Knie. So rührend, dass ich vor Schmerzen schrie und weinen musste. Er quittierte das mit „Sie sind aber überempfindlich“. Als ich ihm das nächste Mal sagte, er dürfe mir nicht mehr so weh tun, meinte er, das könne ich so zu ihm nicht sagen, er sei doch auch nur ein Mensch! An diesem Tag hatten wir keine Physiotherapie mehr! Aber ich hatte die Kraft nicht, mich auch noch um einen neuen Physiotherapeuten zu kümmern, also war ich auch 2 Monate später noch bei ihm, und kam dann endlich dahinter, warum er ist wie er ist. Aber das soll später nochmal Thema werden – wenn ich dran denke!

Und weil wir ja so viel mit dem Thema BEUGUNG zu tun hatten, hatte ich mir, nachdem sich mein Zustand eh schon ganz schön gebessert hatte, eingebildet, ich muss mal schauen, ob ich auf unserem Hometrainer-Spinningradl um die Runde komme. Mein Liebster musste mir aufs Rad helfen – es war nicht einfach! Der Sitz musste relativ hoch gestellt werden, aber nicht zu hoch, sodass ich die Treter noch erreichen konnte. Und dann versuchte ich, um die Runde zu kommen. Es war schwer. Es war sehr schwer. Es tat weh. Aber ich schaffte es. Und strahlte wieder mal wie ein neues Fuffzigerl. Weil ich wusste, dass ich mir den Rest erarbeiten kann. Hauptsache, die Bewegung funktioniert. Nach 10 Umdrehungen war ich schweißgebadet und mein Schatz hob mich vom Rad. Anders kam ich da nicht mehr runter.
Doch weil’s so schön war, wollte ich am nächsten Tag gleich wieder drauf, mein Liebster war aber nicht da. Siehe da, mit viel Anstrengung konnte ich alleine auf und ab steigen. Mehr als 2 Minuten schaffte ich aber nicht. Mein Körper war von der Narkose, den Schmerzen und den durchwachten Nächten noch wesentlich zu geschwächt.
Kleines Detail am Rande: Wenn man beim Rad um die Runde kommt, hat man 120 Grad Beugung erreicht. Das war bei mir noch nicht ganz die Wahrheit, weil ich mich ja mit der Sitzhöhe rundherum schwindelte.

Außerdem machte ich bereits kleine Minispaziergänge. Für eine Strecke, für die ich normalerweise keine 10 Minuten benötigen würde, brauchte ich eine Dreiviertelstunde. Das war aber auch für mich eine enorme Leistung, und ich war jedes Mal so glücklich, das geschafft zu haben, und etwas Frischluft bekommen zu haben. Das war sehr wichtig für mich, wieder mal raus gehen zu können! Und es war klar, dass der Bewegungsablauf jetzt nicht so einfach war (wobei ich glaube, dass viel Barriere auch einfach nur im Kopf vorhanden war…), dass sich das alles aber wieder einrenken würde, und ich wieder supergut gehen können würde, ohne Schmerzen!

Während der 2 Wochen zu Hause war ich auch noch dreimal bei der Shiatsu-Massage. Meine Freundin bearbeitete mein Knie mit einem sogenannten Traumaöl. Ich bin nach wie vor der Überzeugung, dass die Physiotherapie zwar gut und wichtig war, diese Massagen aber meinen Knien wahnsinnig gut taten. Ich hatte lange Zeit das Gefühl, dass 20 cm von den Knien aufwärts und 20 cm von den Knien abwärts jede einzelne meiner Zellen heulte. Und sie heulten wie ein Schlosshund ob den Grausamkeiten, die ihnen angetan wurden. Sie waren im wahrsten Sinne des Wortes traumatisiert. Das Gefühl in diesem Bereich meines Körpers war schlecht. Das kann man aber nicht als Schmerz beschreiben. Das tat nicht weh. Das war ein mega eigenartiges Gefühl in dieser Region. Und da taten die sanften Berührungen meiner Freundin soooooo gut. Die Zellen fühlten sich gehört und geliebt. Und die neuen Knie bekamen ein Gefühl der Integration. Das hiess zwar noch lange nicht, dass alles gut war, aber es war besser! Und die sanften Massagen mit dem Traumaöl schenkten mir sage und schreibe 10 Grad Beugung!

Jemand, der keinen Zugang zu solchen Dingen hat, wird jetzt sagen, ich bin verrückt. Oder dass das ein völliger Blödsinn ist. Mag sein. Ich weiss es nicht. Ich kann nur meine Empfindungen niederschreiben.

Wo ich hier soviel von Beugung schreibe, wird sich der eine oder andere wundern, dass ich noch nie die Streckung erwähnt habe. Ganz einfach: Die war bei mir von Anfang an kein Problem. Die Streckung brachte ich super hin.

Erwähnenswert finde ich auch noch eine gewisse andere Überempfindlichkeit in meinen Beinen. Wir haben zu Hause ganz dünne Decken auf der Couch, mit denen wir uns gerne zudecken. Wenn ich vor der Operation auf einer dieser Decken zu liegen kam, spürte ich das noch nicht mal. Nach der OP eine Decke so unter meinem Oberschenkel, dass die Kante der Decke irgendwo beim Oberschenkel aufhörte, also eine minimale Unebenheit entstand, das wurde so unangenehm, dass ich die Decke wegtun musste. Diese Überempfindlichkeit hielt sehr lange an.

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