Reha Teil I

Nun also auf in die Reha. Der Aufenthalt war für 3 Wochen angesetzt, ich habe aber jedem, der es hören wollte, schon von vorne herein gesagt, dass ich an Hilfsmittel zur Genesung alles mitnehmen werde, was es nur an Möglichkeiten gibt, und wenn mir eine Verlängerungswoche genehmigt würde, nähme ich diese auch sofort. Darauf habe ich dann auch schon bei der Erstuntersuchung bei einer sehr netten Ärztin hingewiesen. Die hat mir erklärt, dass ich das zur Zwischenuntersuchung bekannt geben soll.

Man maß wieder mal meine Beugung (dieses Wort steigerte sich echt zur Unsäglichkeit!), und die Ärztin meinte, ich solle mich wegen den Graden nur ja nicht von anderen Patienten stressen lassen, die würden alle schwindeln. Ich wäre eh gut dabei mit meinen etwas über 100 Grad. Das sah nur leider mein Herr Operateur 4 Tage später nicht so. Der meinte, nachdem ich mit stolz geschwellter Brust erklärte, dass ich 115 Grad in der Schiene erreicht hatte, dass 120 Grad schon längst gehen müssten, und ich muss halt auch mal meine Grenzen überschreiten (oh wie ich das satt hatte).

Wie auch immer. Reha. Ein sehr junges Reha-Team, Daumen mal Pi geschätzt war keine/r älter als 30 Jahre. Anfangs war ich etwas irritiert deswegen (oh mein Gott, die haben doch keine Erfahrung…)! Aber das stellte sich ganz schnell als Irrtum meinerseits heraus. Diese Therapeuten hatten alle eine sehr fundierte Ausbildung, hatten bereits etwas Erfahrung gesammelt, waren total ambitioniert und noch nicht zu verbraucht, um auf den einzelnen Patienten einzugehen. Mir war eine Einzeltherapeutin zugeteilt, die ich 4x pro Woche sah, und die meine Fortschritte ganz individuell begutachtete und mit mir einen Plan erstellte, wie wir das eine oder andere Wehwehchen oder Stolpersteinchen in den Griff kriegen konnten. Der Rest war dann Gruppentherapie (es gab Gruppe Knie und Gruppe Hüfte – seither heisse ich bei meinem Schatz nur noch „Gruppe Knie, bitte antreten“), Unterwassergymnastik (meine Lieblingsdisziplin), Ausdauer, Elektro, Kryo (Kältetherapie), und Ultraschall. Eigentlich hätten wir dann noch Schiene gehabt. Doch dazu im nächsten Absatz, vorher noch ein lobendes Therapeutenwort: Die waren untereinander hervorragend vernetzt. Wenn ich in der Gruppe irgendeine Übung nicht ausführen konnte, wusste das meine Einzeltherapeutin bei unserer nächsten Zusammenkunft, und arbeitete mit mir daran. Gut organisiert, die Damen und Herren!

Am ersten Tag meiner Therapien musste ich feststellen, dass ich bei Elektro, Ultraschall und Schiene fahren (für meine geliebte Beugung) mir aussuchen konnte/musste, welches Knie ich behandelt haben wollte, da die Krankenkasse mir für 2 Knie dieselbe Anzahl an Therapien genehmigte wie für ein Knie. Meine Beschwerden dahingehend führten dazu, dass ich wenigstens die Schiene aufs Zimmer bekam und so in meiner ohnehin maßlos übertriebenen Freizeit (ohne Ironie!) selbständig weiter an meiner 120-Grad-Beugung arbeiten konnte. Dadurch waren dann die Gruppen-Schienen-Therapien gestrichen.

Unterwassergymnastik war wirklich meine Lieblingstherapie. Bei den Unterwasserübungen hatte ich einen Ausblick, wie es werden würde, wenn alles wieder gut und geheilt ist. Da im Wasser kein Gewicht auf die Knie wirkt, waren die Bewegungen gut durchzuführen. Solange ich noch meine Krücken hatte und nicht ohne diese Treppen steigen konnte, musste man mich mit dem Badelifter in das Becken fahren. Der Badelifter hat eine gähnend langsame Geschwindigkeit, sodass von den 20 Minuten Therapie bereits gefühlte 10 mit dem Rein- und Rausfahren draufgingen. Daher „sprang“ ich immer schon frühzeitig ab, was den Therapeuten wirklich oft Mühe bereitete. Schließlich trugen sie während der Therapie die Verantwortung für den Patienten. Aber was solls. Es war ja bloß Wasser, und es war nicht weit, und dankenswerter Weise passierte mir ja nix.

Bei der Ausdauer wurde 20 Minuten Rad gefahren. Die Ergometer in der Klinik hatten verstellbare Pedale, die auf die jeweilige Beugung eingestellt werden konnten. Nach 2 Tagen hatte ich die vollen Grade erreicht und heulte wieder einmal, vor Freude darüber! Ich sah mich schon im Frühling und Sommer wieder am Radl sitzen! YEAH!

zu Hause Teil II

Was tat ich also nun so zu Hause? Nun, ich hatte eine Beugeschiene leihweise mit nach Hause bekommen. Mit der übte ich so etwa 2 Stunden des Tages meine Beugung. In dieser Zeit verschwand mein Liebster meist, denn das war seine kostbare Freizeit, in der er mal wieder tun konnte, was er wollte, ohne auf mich und meine (hoffentlich vorübergehenden….) Gebrechen Rücksicht nehmen zu müssen.
Weiters haben wir im Krankenhaus diverse Übungen gezeigt bekommen, die ich versuchte, zu Hause hinzubekommen. Dazu gehörte „auf Zehenspitzen stehen“, „Einbeinstand“ und beugen, beugen beugen beugen beugen. Mein Einserthema während laaaanger Zeit. Auch mein Physiotherapeut hatte sich ausgiebigst dem Thema beugen beugen beugen beugen gewidmet. Die Fusserl waren ja grad frisch operiert, und mein rechtes Fusserl war schlechter beinand als das linke, daher kümmerte er sich auch rührend um mein rechtes Knie. So rührend, dass ich vor Schmerzen schrie und weinen musste. Er quittierte das mit „Sie sind aber überempfindlich“. Als ich ihm das nächste Mal sagte, er dürfe mir nicht mehr so weh tun, meinte er, das könne ich so zu ihm nicht sagen, er sei doch auch nur ein Mensch! An diesem Tag hatten wir keine Physiotherapie mehr! Aber ich hatte die Kraft nicht, mich auch noch um einen neuen Physiotherapeuten zu kümmern, also war ich auch 2 Monate später noch bei ihm, und kam dann endlich dahinter, warum er ist wie er ist. Aber das soll später nochmal Thema werden – wenn ich dran denke!

Und weil wir ja so viel mit dem Thema BEUGUNG zu tun hatten, hatte ich mir, nachdem sich mein Zustand eh schon ganz schön gebessert hatte, eingebildet, ich muss mal schauen, ob ich auf unserem Hometrainer-Spinningradl um die Runde komme. Mein Liebster musste mir aufs Rad helfen – es war nicht einfach! Der Sitz musste relativ hoch gestellt werden, aber nicht zu hoch, sodass ich die Treter noch erreichen konnte. Und dann versuchte ich, um die Runde zu kommen. Es war schwer. Es war sehr schwer. Es tat weh. Aber ich schaffte es. Und strahlte wieder mal wie ein neues Fuffzigerl. Weil ich wusste, dass ich mir den Rest erarbeiten kann. Hauptsache, die Bewegung funktioniert. Nach 10 Umdrehungen war ich schweißgebadet und mein Schatz hob mich vom Rad. Anders kam ich da nicht mehr runter.
Doch weil’s so schön war, wollte ich am nächsten Tag gleich wieder drauf, mein Liebster war aber nicht da. Siehe da, mit viel Anstrengung konnte ich alleine auf und ab steigen. Mehr als 2 Minuten schaffte ich aber nicht. Mein Körper war von der Narkose, den Schmerzen und den durchwachten Nächten noch wesentlich zu geschwächt.
Kleines Detail am Rande: Wenn man beim Rad um die Runde kommt, hat man 120 Grad Beugung erreicht. Das war bei mir noch nicht ganz die Wahrheit, weil ich mich ja mit der Sitzhöhe rundherum schwindelte.

Außerdem machte ich bereits kleine Minispaziergänge. Für eine Strecke, für die ich normalerweise keine 10 Minuten benötigen würde, brauchte ich eine Dreiviertelstunde. Das war aber auch für mich eine enorme Leistung, und ich war jedes Mal so glücklich, das geschafft zu haben, und etwas Frischluft bekommen zu haben. Das war sehr wichtig für mich, wieder mal raus gehen zu können! Und es war klar, dass der Bewegungsablauf jetzt nicht so einfach war (wobei ich glaube, dass viel Barriere auch einfach nur im Kopf vorhanden war…), dass sich das alles aber wieder einrenken würde, und ich wieder supergut gehen können würde, ohne Schmerzen!

Während der 2 Wochen zu Hause war ich auch noch dreimal bei der Shiatsu-Massage. Meine Freundin bearbeitete mein Knie mit einem sogenannten Traumaöl. Ich bin nach wie vor der Überzeugung, dass die Physiotherapie zwar gut und wichtig war, diese Massagen aber meinen Knien wahnsinnig gut taten. Ich hatte lange Zeit das Gefühl, dass 20 cm von den Knien aufwärts und 20 cm von den Knien abwärts jede einzelne meiner Zellen heulte. Und sie heulten wie ein Schlosshund ob den Grausamkeiten, die ihnen angetan wurden. Sie waren im wahrsten Sinne des Wortes traumatisiert. Das Gefühl in diesem Bereich meines Körpers war schlecht. Das kann man aber nicht als Schmerz beschreiben. Das tat nicht weh. Das war ein mega eigenartiges Gefühl in dieser Region. Und da taten die sanften Berührungen meiner Freundin soooooo gut. Die Zellen fühlten sich gehört und geliebt. Und die neuen Knie bekamen ein Gefühl der Integration. Das hiess zwar noch lange nicht, dass alles gut war, aber es war besser! Und die sanften Massagen mit dem Traumaöl schenkten mir sage und schreibe 10 Grad Beugung!

Jemand, der keinen Zugang zu solchen Dingen hat, wird jetzt sagen, ich bin verrückt. Oder dass das ein völliger Blödsinn ist. Mag sein. Ich weiss es nicht. Ich kann nur meine Empfindungen niederschreiben.

Wo ich hier soviel von Beugung schreibe, wird sich der eine oder andere wundern, dass ich noch nie die Streckung erwähnt habe. Ganz einfach: Die war bei mir von Anfang an kein Problem. Die Streckung brachte ich super hin.

Erwähnenswert finde ich auch noch eine gewisse andere Überempfindlichkeit in meinen Beinen. Wir haben zu Hause ganz dünne Decken auf der Couch, mit denen wir uns gerne zudecken. Wenn ich vor der Operation auf einer dieser Decken zu liegen kam, spürte ich das noch nicht mal. Nach der OP eine Decke so unter meinem Oberschenkel, dass die Kante der Decke irgendwo beim Oberschenkel aufhörte, also eine minimale Unebenheit entstand, das wurde so unangenehm, dass ich die Decke wegtun musste. Diese Überempfindlichkeit hielt sehr lange an.

zu Hause Teil I

Nun kam ich also nach Hause. Was heisst nach Hause! Die erste Hürde war, mit Krücken das schützende Krankenhaus mit Böden ohne Hindernissen, zu verlassen und auf die offene Straße zu „gehen“ (zeitlupenmäßig), wo sich Wege erdreisteten, Steigungen und Gefälle und Gehsteigkanten zu haben! Das Auto parkte 200 m vom Krankenhauseingang. Es waren die längsten 200 m meines Lebens. Und es regnete. Bis ich beim Auto war, war ich pitschnass! Da war ich aber erst BEIM Auto, und noch lange nicht IM Auto!

Wir hatten einen Citroen C1. Ziemlich tief unten, dieses kleine Schüsselchen! Erst mal schoben wir den Beifahrersitz ganz zurück. Dann kam das erste Bein mit kleiner Beugung ins Auto. Aber wie sollte ich jetzt weiter tun? Wie auch immer, ich will damit nur andeuten, dass selbst so Kleinigkeiten wie „steig ins Auto ein“ zu einem Monsterthema werden können! Ich war irgendwann drin und wir konnten fahren. Sitzen war unbequem, die Fahrt dauerte etwa eine halbe Stunde, und wir mussten noch zur Apotheke. Ich blieb sitzen, mein Schatz holte „mal schnell“ die Medikamente. Nun hat der Herr Apotheker aufgrund der Medikation auf meiner Verschreibung gleich gefragt, ob denn da ein künstliches Knie gemacht wurde, weil er auch vor kurzem eins gekriegt hatte, und hat meinen Schatz eine gefühlte Stunde (in Wahrheit werdens wohl nicht mehr als 15 Minuten gewesen sein) aufgehalten! War nicht sehr angenehm, kann aber grundsätzlich überlebt werden.

Zuhause warteten dann Stiegen im Ausmaß von 2 Stockwerken auf mich. Stiegensteigen hatten wir im Krankenhaus gelernt: Zuerst mit dem besseren Fuss hinauf, dann den schlechteren nach. Hinunter genau umgekehrt, der schlechte geht vor. Ja, ich hatte ein besseres und ein schlechteres Knie nach der Operation. Allerdings, wenn man die Stiege rauf oder runter steigen möchte, fällt einem nicht so schnell ein, welches das bessere oder das schlechtere ist. Daher steht man manchmal einige Zeit vor der Treppe, bevor man sich entschieden hat, mit welchem Fuss man anfängt, denn mit dem falschen anzufangen könnte fatale Auswirkungen haben!

Die Erstbesteigung zur Wohnung fühlte sich an wie eine Bergtour auf einen Achttausender (nicht dass ich wüsste, wie sowas ist…). Und das galt für alles, was ich in den ersten paar Tagen zu Hause zu tun hatte. Sei es ein simpler WC-Gang, sei es das Sich-Erheben von der Couch, alles war schwer. Alles verlangte nach unglaublicher Energie. Sollte jemand glauben, nach den 11 Tagen Krankenhaus kann er zuhause schon irgendwie alleine zurecht kommen – NOPE! Mein Schatz hatte sich Pflegeurlaub genommen und versorgte mich zu Hause, brachte mich zur Physiotherapie, kaufte ein, putzte, wusch, und half mir in die Badewanne und wieder heraus. Das erste Mal Badewanne glaubten wir beide daran, dass Körperpflege gar nicht so wichtig sein kann, dass man dieses Risiko auf sich nehmen sollte.

Aber: Mit jedem Tag wurde es ein bisschen besser. Jeden Tag konnte ich etwas mehr. Jeden Tag ging es ein Stückchen bergauf. Trotzdem waren meine Nerven extrem angeschlagen. Ich war unglaublich glücklich, dass alles so gut verlaufen war, und musste trotzdem tagelang und nächtelang heulen, ohne ersichtlichen Grund. Apropos Nächte – die waren ein bisschen zäh. Als ich nach Hause kam, nahm ich die Schlaftabletten noch ein paar Tage weiter. Doch ich kam lediglich auf einen Schlafrhythmus von eineinhalb Stunden. Mehr war nicht drin. Nach eineinhalb Stunden stand ich auf, wanderte am Gang hin und her, legte mich auf die Couch, massierte meine Knie und meine Narben für laaaange Zeit, schlief dort eineinhalb Stunden, wanderte wieder am Gang hin und her, legte mich wieder ins Bett, usw. Also entschied ich, die Schlaftabletten weg zu lassen, was meinen Schlafrhythmus auf 1 Stunde reduzierte – das war dann auch schon egal.

Die Schlafprobleme rührten in dieser Zeit daher, dass ich Seitschläfer bin. Derzeit war aber auf der Seite schlafen ein NoGo. Im Krankenhaus war das alles noch egal, denn durch die Verstellbarkeit des Bettes rettete ich mich schon irgendwie am Rücken durch die Nacht. Daheim war das unmöglich. Ich wurde wach und hatte das Gefühl, jedes meiner Beine wiegt 500 kg. Bis ich sie wieder in Gang brachte, dauerte es eine Zeit. Das besserte sich erst wieder, als ich zur Reha ging. Ich führe das auf die verstellbaren Krankenhaus- und Rehabetten zurück.

Bestimmt fragen Sie sich, warum ich nicht gleich im Anschluss an den Krankenhausaufenthalt die Reha angetreten habe. Weil mir der Arzt gesagt hat, man hätte die besseren Heilerfolge erzielt, wenn die Patienten zwischendurch daheim gewesen waren. Ich kann das nachvollziehen. Man ist knapp 2 Wochen im Krankenhaus und soll dann für 3 bis 4 Wochen in die Reha. Wenn ich 6 Wochen am Stück nicht zu Hause bin, greift das meine Psyche enorm an, was wiederum negativ auf den Heilungserfolg wirkt. Und Weihnachten und Neujahr lag schließlich auch in dieser Zeit! Da will man dann doch daheim sein, auch wenn einem Weihnachten nicht unbedingt viel bedeutet.

Krankenhausaufenthalt

Am Abend des Tag 1 nach der Operation fing die Schmerzpumpe an zu piepsen, und meine Angst davor, dass sie mir das geliebte Ding wegnehmen, stieg. Ich fand Gehör bei einer älteren Krankenschwester, die sich für mich einsetzen wollte, weil ich doch 2 Knie auf einmal hatte machen lassen, die anderen haben doch nur 1 Knie… Ich hatte Glück, man genehmigte mir ein einmaliges Auffüllen der Schmerzpumpe. Weitere Schmerzfreiheit für 36 Stunden waren also garantiert. Danach wurde umgestellt auf Tabletten und Tropfen, und ich muss fairer Weise sagen, es funktionierte sehr gut. Allgemein hatte ich im Krankenhaus wenig bis gar keine Schmerzen.

So vergingen 11 Tage im Krankenhaus. Morgens mühevolle Körperpflege, die in den ersten Tagen vor lauter Anstrengung jedesmal schweißgebadet endete, was den Erfolg der Körperpflege wieder ad absurdum führte, vormittags und nachmittags je Bein 1 Stunde Schienenfahrt + etwa 15 bis 30 Minuten Gang auf-und-ab-spazieren mit dem Physiotherapeuten (PT), dazwischen selbständiges Üben mit verschiedenen Übungen und selbständigem Gang-spazieren. Wichtig war ein gewisses Mittelmaß. Nicht zuviel tun, aber auch nicht zuwenig. Ein Zuviel an Bewegung bedeutete unweigerlich Schmerzen. Nicht sofort. Nein! Schmerzen kommen grundsätzlich sehr gerne zwischen 23:00 und 5:00 Uhr. Da wo man sie wirklich gut brauchen kann! Ein Zuwenig an Bewegung brauche ich wohl nicht weiter ausführen: Keine Muskelbeanspruchung = Keine Besserung des derzeitigen Zustandes.

Von Tag zu Tag konnte ich feststellen, dass die Bewegung am Gang einfacher und schneller wurde. Auch der Schwindel aufgrund des Blutverlustes verschwand nach einigen Tagen. Allerdings machte mir der Beugegrad meiner Knie Sorgen. Das heisst, mir machte er erst Sorgen, nachdem es meinem PT Sorgen machte und er mir mitteilte: „Ich habe schon mit deinem Arzt gesprochen, im Fall wirst du nochmal für 10 Minuten narkotisiert und deine Beine durchgebogen!“ Was ich auf keinen Fall wollte, war eine weitere Narkose. Als erstes schmiss ich mal meine Nerven weg und fing an zu heulen. Meine Schwägerin beruhigte mich dann wieder ein wenig, denn sie hielt mir meine Erfolge der letzten Tage vor Augen. Und ich begann, mit vollem Ehrgeiz (und Schmerzeinsatz, leider), meine Knie besser zu beugen. Von 60 Grad auf 70, auf 80, auf 90, auf 100. Nicht ganz ohne Schwindelei, wie ich zugeben muss, aber ich hatte die Gefahr einer weiteren Narkose abgewandt.

Wie man da schwindeln kann? In dem man in der Schiene mit dem Becken ausweicht, vorne aus der Fixierung schlüpft…
Was mich fertig machte, war, dass ich jeden vormittag und jeden nachmittag wieder bei 60 Grad anfing. Steigern konnte ich erst sukzessive innerhalb der Stunde, in der ich in der Schiene lag. Dass meine Beugung 100 Grad erst erreicht, wenn ich 20 Minuten Schiene hinter mir hatte, interessierte aber die Ärzte und Schwestern, die Beugung sehen wollten, herzlich wenig. So war es ein ständiger Kampf bei der täglichen Visite, die Grade halbwegs hinzukriegen. Die Visite kam Gott sei Dank meist, während ich in der Schiene lag, somit war das Gewebe schon etwas weicher, und die Beugung schon etwas besser…

Geschlafen habe ich während des Krankenhausaufenthaltes recht gut. Man sollte da wirklich nicht päpstlicher sein als der Papst – im Krankenhaus Schlaftabletten zu nehmen, ist sehr sinnvoll und gut, und von den paar Tagen wird man sicherlich nicht süchtig davon, meinten auch die Krankenschwestern.

Die Entfernung der Klammern der Naht erfolgte am 10. Tag. Ich möchte dazu sagen, dass ich bei Nahtentfernungen bis jetzt immer Schmerzen verspürte (bis auf einmal – die Schlingennaht, die war phantastisch!), und es nicht nachvollziehen kann, dass Menschen sagen, eine Nahtentfernung täte nicht weh. Bei den Klammern war es dasselbe. Ich warnte den Arzt und die Schwester vorher, dass ich vermutlich zucken und jammern werde. Ich wurde von der Schwester danach gefragt, wieviele Geburten das denn nun waren. JA, ICH BIN WEHLEIDIG! MIR TUT DAS WEH!

Entlassen wurde ich dann nach 11 Tagen mit 110 Grad Beugung am rechten Knie und 100 Grad Beugung am linken Knie (wer’s glaubt, wird selig).

Was mir außerdem Sorgen bereitete, war mein Zugang zum Muskel. Der war nicht mehr da. Ich konnte zwar gehen, und dabei funktionierte alles quasi „automatisch“, aber beim liegenden Bein bewusst den Oberschenkel anzuspannen, schaffte ich nicht. Das kannte ich allerdings bereits von meiner ersten KnieOP. Ich habe keine Arztmeinung zu dem Thema eingeholt. Ich stelle mir nur vor, dass die Nerven da so beleidigt sind, dass sie den Dienst versagen. Das heisst, der Befehl geht zwar vom Hirn weg, kommt aber beim Oberschenkelmuskel nie an, weil irgendwo mittendrin die Nerven die Information nicht weitergeleitet haben. Der Zugang zum Muskel kommt aber mit ständigem Versuchen irgendwann wieder. Das letzte Mal hat es 3 Monate gedauert, diesmal ging es relativ schnell, dass ich wieder bewussten Zugang zum Muskel erhielt, nach 8 Tagen konnte ich ein leichtes Muskelzucken hervorrufen, das sich von da an auch täglich besserte.

1 Tag nach der Operation

Auf der Intensivstation kümmerte man sich rührend um mich. Bereits vom OP weg bekam ich eine Art Heizdecke, die es kuschelig warm unter der Decke machte – ich fror enorm. Und ich hatte Durst. Man versorgte mich mit Tee, und ich schüttete gleich mal fast einen ganzen Liter in mich hinein – nicht gerade das Beste nach einer OP. Die Rechnung sollte ich eh sofort präsentiert bekommen, ich kotzte prompt alles wieder raus. Das war aber nicht unangenehm, da sich das Getrunkene noch nicht mit Magensäure angereichert hatte.

Dieses Spielchen spielten wir so 3 bis 4mal, die Pfleger waren sehr nett und geduldig und hilfsbereit. Erst am Abend, bei der Übergabe der Tagschicht zur Nachtschicht, erfuhr ich dann den Grund, warum ich soviel kotzen musste. Normalerweise wird das Blut, das man während der OP verliert, aufgefangen, und man erhält es auf der Intensivstation wieder zurück. Bei mir ging das leider nicht, weil meine Blutkonserven leider am Boden landeten. Dann dürfen die das nicht mehr hergeben, weil es kontaminiert ist. Wusste ich bis dahin auch noch nicht. Ich dachte, das ist ja eh verpackt, was soll da schon passieren. Naja, schließlich weiss ich ja auch nicht genau, wie und unter welchen Umständen mein Blut am Boden landete…

Gegen die Schmerzen hatte ich eine Schmerzpumpe erhalten, deren Schläuchlein irgendwo in meinen Rücken führte, und mittels der ich selbständig entscheiden konnte, wann ich eine zusätzliche Dosis Schmerzmittel benötigen würde. Ich genoss es, nicht um Schmerzmittel bitten zu müssen, denn damit hatte ich in der Vergangenheit schon zuviele doofe Erlebnisse gehabt, von „tut’s Ihnen wirklich so weh?“ über die Tatsache, dass die Schwestern erst mit den schwächeren Mitteln anfangen müssen und erst wenn du heulst wie ein Schlosshund, dürfen sie dir die guten Dinge verabreichen, bis hin zu dem Superspruch während du heulst wie ein Schlosshund: „Sie dürfen sich nicht so aufregen, das fördert nicht Ihre Heilung!“ Die Schmerzpumpe war für ca. 36 Stunden gedacht.

Am nächsten Tag um 09:00 Uhr wurde ich wieder auf meine Station gebracht. In meinem Zimmer wuselte bereits ein Physiotherapeut (der Beste!!!) herum, der meine Ankunft mit einem „sehr gut“ quittierte und mir gleich mal die Beugeschiene für meine Knie ins Bett schob, eines meiner operierten Beine einspannte, und die Maschine fing an, mein Knie zu beugen. Ich glaube, das erste Mal fuhren wir so mit 50 Grad – ich weiss es nicht mehr genau. Spannend jedenfalls, gleich am ersten Tag…. Pro Bein lag man da eine Stunde in dieser Maschine drin und die beugte unaufhörlich in lähmend einschläferndem Tempo das Knie.

Und bei dieser Gelegenheit möchte ich erwähnen, dass ich bisher nicht wusste, dass es Krankenhäuser gibt, die soundsoviele Physiotherapeuten beschäftigen, um die Patienten gleich nach der OP wieder zu mobilisieren. Das war Gold wert! Man hat soviele Fragen, jedes kleine und große Ziehen und Stechen und und und will man erklärt haben, und mein PT dort hat sich die Zeit und Muße genommen, sich wirklich mit mir auseinander zu setzen. Ich war und bin davon höchst begeistert!

Gegen Mittag war ich mit beiden Beinen durch. Am Nachmittag wurde das Spiel wiederholt, und ich wurde informiert, dass man mich nach der Maschine das erste Mal auf die Füsse stellen wolle. Die Spannung stieg also. Nichts desto trotz war mir durch den Blutverlust immer noch sehr schwindlig, was beim erstmaligen Aufstehen sich als nicht grad super erweisen könnte. Davon abgesehen war ich natürlich hochgradig nervös, denn für mich war eines enorm wichtig: Selbständig stehen zu können. Ich wusste für mich: Wenn ich das kann, ist alles andere halb so schlimm, gehen kann ich wieder lernen. Aber ich MUSS STEHEN KÖNNEN! Die neuen Gelenke müssen da unbedingt gut herhalten.

Was soll ich sagen. Mein Physiotherapeut (PT) holte sich einen seiner Kollegen, so flankierten sie mich, einer links, einer rechts (meine Krücken haben wir dankenswerter Weise bereits vor der OP auf die richtige Höhe gebracht), und ich stöhnte das erste Mal vom Bett auf – kein leichtes Unterfangen. Die Krankenhausbetten sind ja perfekter Weise höhenverstellbar, das hilft in jedem Fall beim Hochkommen! Kraft war genau gar keine da, aber wozu hatte man denn links und rechts 2 junge Männer…. Und so stand ich denn schließlich, allein (die beiden ließen dann irgendwann aus), testend, und mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Ich strahlte übers ganze Gesicht, denn ich konnte super stehen, die Knie hielten, sie kippten nicht nach vorne weg, und das war die halbe Miete!

Allerdings war mein Schwindel so stark, dass ich mich wieder setzen musste – leider, denn sonst hätte man schon die erste Runde mit mir im Zimmer gedreht. Meine Enttäuschung konnte mein PT sehr gut verstehen, darum kam er eine halbe Stunde später mit einem kreislaufstabilisierenden Mittel nochmal vorbei, verabreichte es mir, und ließ mich nochmal aufstehen und ein paar Schritte im Zimmer umher gehen. Ich habe mich so gefreut, dass meine Beine gehorchten, meine neuen Knie mich trugen und meiner Heilung nun nichts mehr im Wege stehen sollte!

Die Knieoperation – beidseits künstliche Gelenke

Im Dezember also ging es dann ab ins Krankenhaus. Die Aufnahmeuntersuchungen waren ausgesprochen spannend, denn ich stieß dort auf einen Arzt, der mir erklärte, dass er eine Fehlstellung vermutet, der er auf den Grund gehen möchte. Denn wenn sich sein Verdacht bestätigt, wäre es gut, bei der Operation gleich die Fehlstellung zu beheben. Daher wurde zusätzlich zum MRI und Röntgen noch ein CT gemacht, aus dem er ersah, dass die letzten 15 cm meines Oberschenkels verdreht waren. Sehr zu meiner Freude befasste er sich eingehend mit allen Bildern, die er nun so von mir zur Verfügung hatte, unterhielt sich mit mir und erklärte mir sehr viel, unter anderem auch, wie das MRI zu lesen war.

Dann wurde ich auf die Station gebracht, dort hieß es einige Zeit im Gang warten, bis ich ein Zimmer bekam. Was ich da zu sehen bekam, beeindruckte mich gewaltig: Im Minutentakt (und das ist nicht übertrieben!!) marschierten Knie- und Hüftoperierte an der Seite von Physiotherapeuten an mir vorbei. Manche konnten erstaunlich schnell und gut gehen, andere taten sich etwas schwerer – das hing wohl auch damit zusammen, ob man erst vor 2 Tagen seine OP hatte oder bereits vor 8 Tagen… Jedoch, die Anzahl der an mir auf Krücken vorbeistaksenden Menschen faszinierte mich! Es fanden wohl Knie- und HüftOP’s am laufenden Band statt.

Später an diesem Tag hatte ich noch mein Gespräch mit der Anästhesieärztin. Sie schlug mir erwarteter Weise einen Kreuzstich vor, den ich auch haben wollte, jedoch wollte ich von der OP nichts mitbekommen und bat sie daher, mich weg zu sedieren. Sie versprach es. Mein operierender Arzt schaute auch noch vorbei und trug sehr zu meinem Vertrauen in die OP bei.

Am nächsten Tag also war meine Operation, dankenswerter Weise gleich in der Früh, sodass ich wenig Zeit hatte, richtig nervös zu werden. Als man mich holte, ging alles ziemlich schnell, man fuhr mich direttissima in den OP-Saal, und die Anästhesieärztin begann ihr Werk. Der venöse Zugang war schnell gefunden. Leider nicht der arterielle, sie stach 3x am linken Handgelenk und 2x am rechten, und es tat mir da bereits ziemlich weh, sodass ich weinen musste. Von da an weiss ich nichts mehr. Ich gehe davon aus, dass man mir die Aufregung ersparen wollte, und mich ab diesem Zeitpunkt wegsedierte, ich weiss also auch nichts mehr vom Kreuzstich. Da schlummerte ich bereits.

Während der OP hörte ich nur irgendwann aus sehr sehr weiter Entfernung Hammerschläge und erinnerte mich, dass mir ein Bekannter erzählt hatte, dass er diese bei seiner OP gehört hatte und sie da quasi das Titan auf den Oberschenkel schlagen. Dann weiss ich erst wieder, dass meine Naht geklammert wurde, denn das hörte sich ganz genauso an wie der Tacker im Büro und ich dachte noch „super, das erste Mal bekam ich eine normale Naht, das zweite Mal eine Schlingennaht und jetzt die Klammern. Bin schon gespannt, wie weh diese bei der Entfernung tun.“ Von da an war ich wieder bei mir, wurde von der Anästhesieschwester informiert, dass man bald fertig wäre, alles gut verlaufen sei, und ich wurde gleich darauf in die Intensivstation gefahren.

Die Vorbereitung zur Operation

Ich bekam Cortison per Spritze verabreicht, um die Schmerzen einzudämmen, was auf der Stelle hervorragend funktionierte, und einen OP-Termin für Dezember – das hieß, ich hatte noch 6 Monate Zeit, mich vorzubereiten, oder meine Entscheidung rückgängig zu machen. Mein Lebensgefährte sah die Notwendigkeit der Operation, nachdem er sich die Diagnose anhörte, ebenso gekommen wie ich. In diesen 6 Monaten konnte ich außer Radfahren nichts mehr machen. Nach 10 Minuten Fussmarsch hatte ich enorme Knieschmerzen, daher war an Bergwandern oder simples spazieren gehen nicht zu denken. Ausflüge waren kaum zu machen, denn überall musste man wenigstens ein kleines bisschen zu Fuss gehen, und das konnte ich nicht. Meine Lebensqualität war stark eingeschränkt und das ließ meinen Entschluss, die Operation über mich ergehen zu lassen, sehr fest werden.

2 Monate vor der Operation begann ich mit meinen ganz eigenen Vorbereitungen für die Zeit der OP und danach. Mein Ziel hieß: POSITIV, POSITIV, POSITIV. Ich suggerierte mir jeden Tag ein, dass alles perfekt verlaufen würde, dass ich nach der Operation kaum Schmerzen haben würde und mit der Zeit der volle Bewegungsumfang möglich sein würde. Wenn mir Menschen meiner Umgebung über den Hintertupfinger Hias und die Birnstingl Kreszenz erzählen wollten, die nach der OP nicht mehr gehen konnten oder eine Entzündung bekamen oder was weiss ich was, habe ich niemanden reden lassen. Ich habe sofort gestoppt und gesagt, wenn sie mir nichts Positives zu erzählen haben, will ich es nicht hören. Das hat zwar einige ein wenig vor den Kopf gestoßen, aber der Zweck heiligte die Mittel.

Weiters war ich bei Shiatsu-Massagen, um meine Nerven zu beruhigen und meine Energiebahnen fließen zu lassen. Und ich sagte mir ständig vor, dass nun alles gut werden würde.

Bald hätt ich es vergessen: 3 Monate vor der OP hörte ich auf zu Rauchen. Das habe ich aus mehreren Gründen gemacht. Erstens wollte ich nicht die ersten Tage nach der OP kaum hatschen können, aber Hauptsache nach unten eine rauchen gehen. Zweitens sind die Ärzte schnell da mit dem Thema „tja, weil Sie rauchen…“! Wenn der Heilungsprozess nicht so toll verlaufen wäre, hätte ich mir nicht sagen lassen wollen, dass beispielsweise die Wundheilung bei einem Rauchen halt wesentlich schlechter ist als bei einem Nichtraucher. Das Rauchen aufzugeben war alles andere als leicht. Dennoch – irgendwie hab ich es geschafft, und diesmal sogar ohne Gewichtszunahme. (Naja, ich war ohnehin schon am Höchststand. Wenn ich da noch was draufgepackt hätte, wäre das nicht gerade prickelnd gewesen.)

Trotzdem – das Wichtigste, glaube ich, war das positive Denken – das ständige Sich-Einreden, dass alles gut werden darf und meine Lebensqualität nach der OP und nach einer gewissen Rekonvaleszenz wieder gewaltig steigen wird.

Die Vorgeschichte zur Knieoperation, II

Dann kam der Tag des Meniskuseinrisses. Nicht, dass ich ihn als solches erkannt hätte! Da das Thema Knie bereits so lange Tradition hatte, ich immer mal wieder hinkte wie Quasimodo und Schmerzen hatte, maß ich den Schmerzen ab Februar 2012 nicht so wahnsinnig viel Bedeutung bei. Dass sie dabei entstanden waren, als ich mich schwungvoll von der Couch erheben wollte, verdrängte ich, denn schließlich waren wir das Wochenende zuvor dauerunterwegs mit Vollbelastung meiner Gelenke, und die Schwellung und Schmerzen würden bestimmt daher stammen. Immer nach ordentlicher Überbelastung kämpfte ich mit Schwellung und Schmerzen – wäre ich da jedes Mal zum Arzt gerannt, na danke!

So hinkte ich den Februar und März durch die Gegend, um mich im April endlich dazu zu entschließen, zum Orthopäden zu gehen, da so gar keine Besserung eintrat. Als Orthopäden suchte ich mir jemanden aus, der in einem Krankenhaus in der Nähe auch operierte. Wenn ich schon operiert werden musste, dann wollte ich zumindest, dass ich den Chirurgen kenne. Der Arzt war mir von Anfang an sympathisch. Er war in meinem Alter (um die Vierzig) – also nicht zu alt, um sich den neuen Methoden zu verschließen und nicht zu jung um keine Erfahrung zu haben, und er konnte sich gut vorstellen, dass man mit Vierzig nicht unbedingt auf funktionierende Beine verzichten möchte. Er schickte mich zu Röntgen und MRI, was die Diagnose dann natürlich bis Mai verzögerte – die Wartezeiten für ein MRI finde ich, gelinde gesagt, eine Frechheit.

4 Monate am Stück Hinken war nun selbst für meine Verhältnisse nicht mehr normal, und so machte ich mich bereits darauf gefasst, dass die Diagnose nicht unbedingt meinen Wünschen und Träumen entsprechen würde, und nahm mir zur mentalen Verstärkung gleich mal meinen Lebensgefährten mit. Wie befürchtet, war zu hören, dass bei meinen Knien eigentlich garnix mehr ging. Es war zwischen Kniescheibe und Knie kein Knorpel mehr vorhanden, auch zwischen Ober- und Unterschenkel war der Knorpel nur noch zu erahnen, die Arthrose hat stark um sich gegriffen und Ober- und Unterschenkel bereits ordentlich angegriffen. Bis hier hin nicht viel neues – das war auch die Diagnose der letzten Untersuchung. Diesmal allerdings bestand irgendwie kein Weg mehr zur Besserung, denn selbst Schmerztabletten halfen nicht mehr. Der Leidensdruck war hoch genug, einer Operation zuzustimmen.

Neu allerdings war der Meniskuseinriss im rechten Knie, der meine Lage natürlich entsprechend verschlimmerte (zugezogen beim oben erwähnten schwungvollen Von-der-Couch-Erheben!). Der Vorschlag des Orthopäden wäre gewesen, die Knieprothese im linken Knie zu installieren und das rechte Knie, das minimal besser aussah als das linke, nur zu arthroskopieren, um den Meniskuseinriss zu beseitigen. Dagegen sprach für mich aber, dass ich in der Zeit nach der Operation natürlich das vermeintlich bessere, rechte Knie wesentlich mehr belasten würde, was unweigerlich wieder zu Schmerzen und Problemen geführt hätte. Also entschied ich mich für Knieprothesen für beide Knie auf einmal. Der Arzt riet ab, ich setzte mich durch – alles andere wäre für mich unvorstellbar gewesen. Ich bekam noch sehr genau erklärt, wie die neuen Kniegelenke aussahen, was genau gemacht werden wird, dass ich 2 Vollprothesen benötigen würde, und dass die OP 3 Monate Krankenstand nach sich ziehen würde.

Die Vorgeschichte zur Knieoperation, I

Für alle diejenigen, die es irgendwann mal ähnlich erwischen sollte, bereits erwischt hat, oder jemanden kennen, den es erwischt hat, oder erwischen wird…: Hier meine Kniegeschichte, wann ich mich zur OP entschlossen habe, und wie der Verlauf ist/war.

Schon in der Kindheit sprangen mir fleissig meine Kniescheiben heraus. Der Arzt und der medizinisch gebildete Leser nennen das Knieluxationen. Bloss hat das damals keiner gewusst. Weil ja auch niemand mit mir zum Arzt gegangen ist. Wobei ich nicht denke, dass ein Arztbesuch etwas geändert hätte, in den Siebzigern glaub ich, war man noch nicht ganz so weit… Zumindest nicht in der tiefsten Provinz. Nun, wie gesagt, es hat ja keiner gewusst. Man beschimpfte mich als „Botschochta“ (patschertes, tollpatschiges Wesen), weil ich irgendwie ständig auf der Nase lag, und mir meine Füsse und Hände aufschlug. Dass damals schon die Kniescheibe rausrutschte (luxierte), daran dachte doch keiner. Am wenigsten ich selbst. Denn das tat damals noch nicht weh.

Dazu sei gesagt, dass ich hypermobil, also überbeweglich, bin. In jedem einzelnen meiner Gelenke. Auch im Knie. Daher hat das damals nicht weh getan, das Kniescheiben rausspringen. Die Verletzungen vom Fallen taten schon weh. Mein Geheule wohl auch, nämlich den Ohren meiner Großeltern, Onkel und Tanten.

So, irgendwann dann, so im Teenager-Alter, fing das dann auch an, weh zu tun, das Rausspringen der Kniescheibe. Dann ging meine Mutter (bei der ich ja grad erst eingezogen war quasi) mit mir zum Orthopäden, der feststellte, dass ich einen Kniescheibenhochstand und zu lange Bänder hätte. Das veranlasste ihn, beim einen Besuch bei ihm anzuraten, abzuwarten, bis sich das „auswachsen“ würde, beim anderen Besuch war eine Operation unumgänglich. Dieses Spiel spielte meine Mutter mit ihm über einige Jahre hindurch. Sie tat das dann auch ab mit dem Wissen, dass es ihr und ihrer Mutter und ihren Geschwistern ja ähnlich ginge, und da halt nichts zu machen sei.

Ein paar Jahre später, so in Richtung Volljährigkeit, entschloss ich mich, das alles nun selbst in die Hand zu nehmen, und zu gar keinem Orthopäden mehr zu gehen. Schon damals lernte ich: 4 Ärzte, 4 Meinungen! Ich wusste lediglich, dass ich von meinem Leben soviel wie möglich haben wollte, denn eine Meinung der vier Ärztemeinungen war, dass ich wohl mit etwa 50 des Gehens nicht mehr fähig sein werde, ergo im Rollstuhl sitzen werde.

So vergingen die Jahre, eines Tages sprang mein Knie so im Alter von etwa 28 Jahren beim Paragleitstart raus und die Leidensgeschichte nahm 6 Wochen kein Ende mehr. Also suchte ich einen Orthopäden des Vertrauens meines damaligen Chefs auf, der mir eine OP am linken Kniegelenk vorschlug. Bei dieser raffte er die Bänder, putze den Meniskus feinsäuberlich und veränderte die Achse meines Beins (wobei ich glaube, dass das allein durch die Bänderraffung schon erreicht wurde). 6 Wochen trug ich eine Schiene, die mir bei Belastung nicht erlaubte, mein Knie zu beugen. Nach diesen 6 Wochen hieß es, Knie neu beugen, Muskelaufbau, arbeite gut dran, gute Frau, denn sonst wirst du hinken. Es dauerte knapp ein Jahr, bis ich beim Gehen keinen Gedanken mehr an den nächsten Schritt, die nächste Steigung oder das nächste Gefälle verschwenden musste.

Von da an luxierte kein Knie mehr, weder das linke operierte, noch das rechte nicht operierte. Mit etwa 35 Jahren traten mal wieder vermehrt Schmerzen auf, mein Operateur war nicht mehr in der Gegend und ich lernte einen jungen Mann kennen, der wiederum in seinem Bekanntenkreis einen Kapazunder auf dem Gebiet der Orthopädie kannte. Na, nichts wie hin. Bei der Auswertung meiner Röntgen- und MRI-Bilder holte er sich in meinem Beisein einen Assistenzarzt dazu, und fragte diesen, wie alt er die Person schätzen würde, dessen Bilder er sich da gerade ansähe. Der Assi schätzte auf 75 Jahre, woraufhin der Kapazunder auf mich deutete und ich in Tränen ausbrach.

Er (der Kapazunder) erklärte mir, dass die OP eigentlich alles schlimmer anstatt besser gemacht hatte (das war halt der damalige Wissensstand, meinte er), und die Kniescheibe sich durch ihre neue Stellung einen neuen Weg in mein Gelenk geschrappt hätte und somit die Abnützungen (Arthrose) nur noch wesentlich schlimmer geworden wäre. Na toll. Er empfahl mir eine Operation an beiden Beinen, bei der er mein Schienbein durchtrennen, schief abschneiden und neu wieder zusammensetzen würde und dadurch eine Gradstellung meines Beines erreichen würde. Ich solle mich schnell entscheiden. Ich lehnte dankend ab und frettete mich weiter durch bis zu meinem 41. Lebensjahr. (durchfretten ist ziemlich anstrengend!!!)

Warum das alles?

Für alle, die hier zufällig vorbeistolpern, und meinen, das schon mal gelesen zu haben: Ja, ich bin flyhigher vom twoday.net-Portal. Ich veröffentliche hier nochmal meine Knie-Geschichte, damit sie online zugänglich bleibt.

Warum mache ich das? Als ich im Alter von knapp 40 Jahren (im Jahr 2012) erfahren habe, dass ich beidseits Knieprothesen benötige, recherchierte ich viel im Internet. Am meisten hätte mich interessiert, wie es mir nach der OP gehen würde, was alles möglich ist. Ich fand jede Menge über die OP selbst, aber keine Erfahrungsberichte über das „Danach“.

Daher habe ich mich entschlossen, meine Erfahrungen niederzuschreiben. Auf twoday.net hatte ich auf den Beiträgen mit meinen künstlichen Knien viele Zugriffe. Es war wohl ein Thema, das interessierte. Meinen twoday-Blog habe ich irgendwann geschlossen, allerdings mit dem Hintergedanken, die Knie-Geschichten irgendwo wieder online zu stellen. Jetzt endlich ist es soweit!